Lynn Hershman Leeson

Breathing Machine (Atemmaschine)

Hershman Leeson Breathing Machine Collection Of The Artist 1500 - © Lynn Hershman Leeson. Photo: Dejan Saric
  • Lynn Hershman Leeson
  • Breathing Machine (Atemmaschine)
  • 1965
  • Plexiglas auf Holz, Klang, Sensoren, Wachs, Gesichtsmaske, Perücke, Make-up
  • Courtesy the Artist and Bridget Donahue, NYC - © Lynn Hershman Leeson. Photo: Dejan Saric

Lynn Hershman Leeson untersucht in ihrer Kunst die persönlichen und gesellschaftlichen Folgen naturwissenschaftlicher Fortschritte, insbesondere die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNS im Jahr 1953. Der Prozess des Kopierens mithilfe von Abgüssen ist eine alte künstlerische Technik, doch in den 1960ern erlangte sie mit der zunehmenden Überschneidung von Körper, Maschine und Technologie eine neue Dimension. Das Klonen, das zuvor eine bloße Fantasie gewesen war, wurde eine reale theoretische Möglichkeit – ein Thema, mit dem sich Hershman Leeson ausführlich beschäftigt hat.

Breathing Machine (1965) und Caged Woman (1965) sind beides Wachsabgüsse des eigenen Gesichts der Künstlerin. Die Perücken identifizieren die Gesichter als die von Frauen und betonen den performativen Aspekt von Weiblichkeit, ein wichtiges Thema in Hershman Leesons Werk. In den ersten Jahren ihrer Karriere goss die Künstlerin eine Serie von Körperteilen in Wachs ab, die sie auf unterschiedliche Weise einkleidete und in Szene setzte. Breathing Machine, das sich ursprünglich in einer an Astronauten erinnernden Glasblase befand, seufzte und keuchte, sobald sich Betrachter näherten. Bei Caged Woman handelt es sich um eine weitere Variation der Wachsmaske, zu der eine Tonbandstimme abgespielt wird. Hershman Leesons Schöpfungen verweisen auf die düsteren Begleiterscheinungen des Umstands, dass Technologie sich zunehmend unserer Körper bemächtigt. Gefangen sowohl im buchstäblichen Sinne (in Behältnissen) als auch im übertragenen (in Aufzeichnungsmedien), verliert der Körper der Künstlerin durch die Mediation seine Unabhängigkeit. Breathing Machine und Caged Woman sind frühe Beispiele für wiederkehrende Themen in Hershman Leesons Werk, darunter die Transformation der Identität, das Verhältnis von Körper und Maschine sowie das Ausagieren sozialer Geschlechterrollen.

Megan Hines

Biografie von Lynn Hershman Leeson

  • Geboren 1941 in Cleveland, OH, USA

Die Künstlerin und Filmemacherin Lynn Hershman Leeson studierte an der Case Western Reserve University in Cleveland und an der San Francisco State University, wo sie einen MFA erhielt. In ihrem Crossmedia-Ansatz entstehen meist interaktive Arbeiten, die Fotografie, Video, Film, Installation, Performance und internetbasierte Medien miteinander vereinen. Ihr Werk verknüpft Kunst mit Kommentaren zu gesellschaftlichen Themen und Technologie. Hershman gilt zudem als wichtige Stimme der feministischen Bewegung und widmet sich immer wieder Fragen zu (konstruierter) Identität, Datenschutz, Überwachung und der Beziehung zwischen realen und virtuellen Welten sowie zwischen Menschen und Maschinen. Am bekanntesten ist vermutlich ihre Serie rund um die fiktive Figur Roberta Breitmore (1973–1978). In ihren jüngeren Arbeiten erwies sie sich als Pionierin moderner Medienkunst: LORNA (1979–1983) war das erste interaktive Videoprojekt. In Deep Contact: The Sexual Fantasy Videodisk (1984–1986) setzte sie als erste Künstlerin berührungsaktive Bildschirme ein.