Stan VanDerBeek

Breathdeath (Atemnot-Tod)

Vanderbeek Breath Death 1 - © Estate of Stan VanDerBeek
  • Stan VanDerBeek
  • Breathdeath (Atemnot-Tod)
  • 1964
  • 16mm Schwarz-Weiß-Film
  • 15 min.
  • Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York - © Estate of Stan VanDerBeek

Stan VanDerBeek war ein richtungsweisender Experimentalfilmmacher. Seine ersten Versuche mit interaktivem Fernsehen und seine spätere Zusammenarbeit mit anderen Künstlern führten zu seinem „erweiterten Kino“, wie der Filmkritiker Gene Youngblood es nannte. In den 1960er-Jahren arbeitete VanDerBeek in den Bell Laboratories in New Jersey mit dem Computerprogrammierer und Physiker Ken Knowlton (geb. 1931) an einer Programmiersprache für Computer-Animation. 

Breathdeath (1964) ist eine Trickfilm-Collage, die scharf kritisiert, welchen Einfluss die Massenmedien in der Nachkriegszeit auf die Themen Leben und Sterben ausüben. Tatsächlich könnte man in Breathdeath einen modernen Danse Macabre (Totentanz) sehen, eine allegorische Darstellungsform des Spätmittelalters, die die Menschen an ihre Vergänglichkeit erinnern sollte. Zwischen den Szenen, in denen Twist getanzt wird, sind Zeichnungen von Totenköpfen und Skeletten montiert, heben Kampfjets ab, marschieren Soldaten, wird aus einer Pistole geschossen, sind einige Explosionen und eine Atompilzwolke zu sehen. Das hektische Tempo des Films gleicht einer Kaskade surrealistischer Aneinanderreihungen und bizarrer Animationen, die Film-Ikonen wie die Brüder Lumière, Luis Buñuel, Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harpo Marx und Marilyn Monroe zitieren.

In einer bemerkenswerten Szene sitzt eine Frau auf einem Bett und liebkost das leere Hemd und die Hose eines Mannes. Sein Kopf wird durch einen Fernseher ersetzt, auf dem nacheinander verschiedene Gesichter potenzieller Verehrer projiziert werden, während ein beschleunigter Riff von Jay Hawkins „I Put a Spell on You“ im Hintergrund spielt. Der Film fasst VanDerBeeks Auseinandersetzung mit der motivischen Ausbeutung und Kommerzialisierung von Leben und Tod durch die Medien zusammen.

Damian Lentini

Biografie von Stan VanDerBeek

  • Geboren 1927 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1984 in Columbia, Maryland, Vereinigte Staaten

Stan VanDerBeek war ein Wegbereiter des experimentellen Films. Er studierte Kunst und Architektur am Cooper Union College in New York, wo er 1952 seinen Abschluss machte. 

Anschließend setzte er seine Studien am Black Mountain College in Asheville (North Carolina) fort, wo er unter anderem Buckminster Fuller (1895–1983), John Cage (1912–1992) und Josef Albers (1888–1976) kennenlernte, die ihn entscheidend beeinflussten und zu wichtigen Wegbegleitern wurden. 

Im Rahmen seiner Arbeit für die Kinderfernsehsendung Winky Dink and You, die von 1953 bis 1957 ausgestrahlt wurde, entwickelte er neue Methoden der Interaktion mit den Zuschauern. Die Erfahrungen aus dieser Arbeit sowie die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, darunter Claes Oldenburg (*1929), Allan Kaprow (1927–2006) und Merce Cunningham (1919–2009), führten ihn zum Experimentieren mit medialen Formen, die der Kinotheoretiker Gene Youngblood als „Expanded Cinema“ bezeichnete. 

In den 1960er-Jahren arbeitete VanDerBeek in den Bell Laboratories in New Jersey mit dem Physiker und Programmierer Ken Knowlton (*1931) zusammen, mit dem er Programmiersprachen für Computeranimationen entwickelte. VanDerBeek lehrte Computeranimation und Film an der Columbia University (1963–1965) und am Center for Advanced Visual Studies am Massachusetts Institute of Technology (1969/70). 

1970 wurden seine Arbeiten in der Ausstellung Software im Jüdischen Museum in New York gezeigt. In späteren Jahren waren sie bei der Whitney-Biennale (1983) und der Biennale von Venedig (2013) zu sehen.