Robert Morris

Box with the Sound of Its Own Making (exhibition copy) (Kiste mit dem Geräusch von ihrer eigenen Herstellung [Ausstellungsduplikat])

Morris Box With The Sound Of Its Own Making Courtesy Of The Artist And Leo Castelli Gallery 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Elizabeth Mann
  • Robert Morris
  • Box with the Sound of Its Own Making (exhibition copy) (Kiste mit dem Geräusch von ihrer eigenen Herstellung [Ausstellungsduplikat])
  • 1961
  • Holz, eingebauter Lautsprecher
  • 24,8 x 24,8 cm
  • Original work: Seattle Art Museum, Seattle, Gift of Mr and Mrs Bagley Wright - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Elizabeth Mann

Anfang und Mitte der 1960er-Jahre inszenierte Morris Begegnungen mit der Öffentlichkeit, die die Wechselwirkung von Kunst und Betrachter, Kunstwerk und Ausstellungsraum erkundeten. Box with the Sound of Its Own Making (1961) ist sowohl eine konventionelle geometrische Skulptur als auch ein Werk, das die Kategorie des Mediums selbst aufschließt und die Rezeption des Kunstwerks zu einem grundlegenden Bestandteil des Werks selbst macht.

Oberflächlich betrachtet, scheint Box with the Sound of Its Own Making genau das zu sein, was der Titel nahelegt: Morris nahm die mit der Herstellung der Kiste einhergehenden Geräusche, darunter das Sägen, Schmirgeln und Hämmern, auf und platzierte anschließend einen Lautsprecher in der Kiste, der die dreistündige „Geschichte“ des Werks überliefert. Die Aufnahme verbindet den sich hinziehenden Entstehungsprozess mit der nahezu unmittelbaren Rezeption der endgültigen Form des Objekts in der Gegenwart, wenn man es in der Galerie sieht. Außerdem deutet die Tonspur auf eine Innerlichkeit, die in der modernistischen Theorie häufig als Tabu gilt. Der Betrachter mag sich der Kiste als einer Skulptur, einem wertvollen, aber stummen Objekt nähern, nur um dann festzustellen, dass sie sich wie eine Person verhält, die eine Geschichte erzählt.

Amy Rahn

Biografie von Robert Morris

  • Geboren 1931 in Kansas City, Missouri, Vereinigte Staaten

Robert Morris ist eine zentrale Figur des Minimalismus, der Prozess- und der Performancekunst. Er studierte zunächst Ingenieurwissenschaft, Kunst und Philosophie in Kansas City, San Francisco und Portland. 1960 übersiedelte er nach New York, wo er 1966 ein Studium der Kunstgeschichte am Hunter College abschloss. 

1951 und 1952 leistete er seinen Militärdienst in der US Army. In den 1950er-Jahren weckte seine damalige Frau Simone Forti (geb. 1935) in Kalifornien sein Interesse für den Tanz und die Performance, und er begann, die Skulptur im Kontext von Raum und Zeit zu betrachten. Anfang der 1960er-Jahre arbeiteten Morris und Forti mit dem postmodernen Judson Dance Theater zusammen. 

In der New Yorker Green Gallery präsentierte der Künstler 1963 in seiner ersten, von Donald Judd (1928–1994) rezensierten Einzelausstellung seine minimalistischen Skulpturen. An gleicher Stelle zeigte er im darauffolgenden Jahr grau bemalte Skulpturen aus Polyeder, bei denen es ihm vor allem um die räumliche Beziehung zwischen Objekt und Betrachter ging. 1966 veröffentlichte er in der Zeitschrift Artforum seinen Aufsatz „Notes on Sculpture“ und nahm an der Ausstellung Primary Structures teil, die das Jüdische Museum New York veranstaltete. 

Gegen Ende des Jahrzehnts ging er dazu über, auch mit flexibleren Materialien wie Filz zu arbeiten. 1969 schuf er für die Ausstellung Anti-Illusion: Procedures/Materials im Whitney Museum eine ephemere Installation. Später wurde Morris außerdem zu einem Vorreiter der Land Art und der Konzeptkunst.