Robert Rauschenberg

Axle (Achse)

Rauschenberg Axle Museum Ludwig 1500 - © Robert Rauschenberg Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: © Rheinisches Bildarchiv Köln: rba_c000182
  • Robert Rauschenberg
  • Axle (Achse)
  • 1964
  • Öl, Siebdruck auf Leinwand
  • 275.7 × 610 × 4.7 cm
  • Museum Ludwig Köln / Schenkung Ludwig - © Robert Rauschenberg Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: © Rheinisches Bildarchiv Köln: rba_c000182

Robert Rauschenberg schuf Axle (1964) gegen Ende seiner frühen Beschäftigung mit dem Siebdruckverfahren, die 1962 begonnen hatte. Auf vier verschiedenen Tafeln, die an die waagerechten Scanlinien auf dem Bildschirm eines Fernsehers aus den 1960er-Jahren erinnern, präsentiert er uns Ikonen der amerikanischen Popkultur. Die Bilder des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, des amerikanischen Weißkopfseeadlers und eines an einem Fallschirm herabschwebenden Astronauten stehen allesamt für jenen amerikanischen Kulturimperialismus, den die französischen Mitglieder der Jury der 32. Biennale von Venedig 1964 heftig kritisiert hatten. Dennoch wurde Rauschenberg damals der Große Preis für Malerei verliehen. In Axle (Achse) unterstrich Rauschenberg durch seine Verwendung dieser weit verbreiteten Motive, dass es legitim sei, derartige Informationen als materielle Elemente von Kunst zu verwenden.

In seinen Werken verwendete Rauschenberg häufig aus den Massenmedien stammende Raumfahrtmotive. So entnahm er das Bild Präsident Kennedys einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz kurz vor dessen Ermordung im November 1963. Für Kennedy war die Eroberung des Weltraums ein vorrangiges Ziel, und das Fernsehen hatte ihm dabei geholfen, auf seine Wähler zuzugehen und deren Anzahl zu erhöhen. Die Nachricht von seiner Ermordung, die viele Menschen durch die im Fernsehen gezeigte Fahrt der Autokolonne des Präsidenten durch Dallas, Texas, live miterlebten, blieb vier Jahrzehnte lang die am längsten, ohne Unterbrechung laufende Übertragung eines historischen Ereignisses. Ursprünglich zögerte Rauschenberg, ein Motiv des erst kurz zuvor ermordeten Präsidenten zu verwenden. Dem Kunstkritiker Calvin Tomkins gestand er: „Das Schockierende an seinem Tod war unter anderem, dass er so glaubwürdig war; es gab da keinerlei Widerspruch zu der Stärke und Abruptheit all der Dinge, die er getan hatte, solange er das Amt innehatte.“ Hier binden die Bilder Kennedys und amerikanischer Errungenschaften im Weltall den Betrachter zwangsläufig in den Prozess der Massenkommunikation ein.

Adrianna Campbell

Biografie von Robert Rauschenberg

  • Geboren 1925 in Port Arthur, Texas, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 2008 in Captiya Island, Florida, Vereinigte Staaten

Im Zweiten Weltkrieg diente Robert Rauschenberg im U.S. Navy Hospital Corps in San Diego. 1947 begann er am Kansas City Art Institute in Kansas City (Missouri) Modedesign zu studieren. Es folgte ein Aufenthalt in Paris.

1948 schrieb er sich am Black Mountain College in North Carolina ein, wo er bei Josef Albers (1888–1976) studierte und John Cage (1912–1992) kennenlernte. Anfang der 1950er-Jahre reiste er mit Cy Twombly (1928–2011) durch Europa und Nordafrika; 1953  ließ er sich in New York nieder, wo er sich mit Jasper Johns (* 1930) anfreundete. 

Die Black Paintings und die White Paintings, mit denen er auf den Abstrakten Expressionismus reagierte, machten Rauschenberg bald bekannt. Obwohl sein Werk oft mit der Pop-Art in Verbindung gebracht wird, lässt es sich weder einem bestimmten Stil noch einer bestimmten Kunstströmung zuordnen. 

In seinen bekannten skulpturalen Collagen, die er selbst als „Combine Paintings“ bezeichnete, spiegelt sich seine lebenslange Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Medien, Techniken und Materialien sowie sein Glaube an die Einheit von Kunst und Leben. 1963 ehrte das Jewish Museum in New York ihn mit einer frühen Retrospektive; im Jahr darauf erhielt er den Großen Preis der Malerei auf der Biennale von Venedig.