Weaver Hawkins

Atomic Power (Atomkraft)

Hawkins Atomic Power Art Gallery Of New South Wales1 1500 - © Estate of HF Weaver Hawkins. Photo: AGNSW
  • Weaver Hawkins
  • Atomic Power (Atomkraft)
  • 1947
  • Öl auf Hartfaser
  • 61 x 78,5 cm
  • Art Gallery of New South Wales, Ankauf 1976 - © Estate of HF Weaver Hawkins. Photo: AGNSW

Weaver Hawkins’ Atomic Power (1947) bedient sich verschiedener Stile, um eine apokalyptische Szene nuklearer Zerstörung zu schildern. Im Vordergrund sieht man einen in einer gebrochenen kubistischen Perspektive gegebenen Mann in einer Pilotenuniform, der globale Navigationskarten mit sich führt. Von einer radioaktiven Substanz in seiner linken Hand geht ein bläuliches, seinen Körper umgebendes Leuchten aus. Während er dieses erstaunt anblickt, richtet im Hintergrund eine Atomexplosion eine gewaltige Verwüstung an. In unmittelbarer Nachbarschaft der verfallenden Stadtlandschaften links und rechts hinter ihm sind Leichen zu sehen. Und zu seinen Füßen liegt ein Totenschädel auf einem schauerlichen, teppichartigen Untergrund: die Schattenrisse von Männern, Frauen und Kindern, die von der Explosion der Atombombe getötet wurden, sind abgeflacht und eingeäschert, in den Boden eingeprägt. Im Mittelgrund spazieren ein nackter Mann und eine Frau Hand in Hand durch die trostlose Landschaft. Die Atomkraft des Bildtitels erscheint in der trügerisch geringen Materialmenge in der Hand des Piloten. Seine Karten, die für wissenschaftliche Kenntnisse stehen, legen das Potenzial einer globalen Zerstörung durch Atomwaffen nahe.

Hawkins begriff, dass der Einsatz der Atombomben durch die Vereinigten Staaten 1945 in Hiroshima und Nagasaki eine Tragödie für die gesamte Menschheit war. Er hoffte, dass seine Kunst die Öffentlichkeit vor den Gefahren der Atomwaffen warnen würde, denn er war der Überzeugung, dass Kunst das Leben der Menschen verbessern sollte, statt lediglich dem Vergnügen der wenigen Privilegierten zu dienen. Hawkins vermied es, sich auf einen bestimmten Stil festzulegen und verband stattdessen figürliche, kubistische und expressionistischen Tendenzen miteinander, um so politisches Bewusstsein und Engagement im neuen Atomzeitalter zu fördern.

Megan Hines

Biografie von Weaver Hawkins

  • Geboren 1893 in Sydenham, London, Vereinigtes Königreich
  • Gestorben 1977 in Willoughby, Australien

Noch während Harold Frederick Weaver Hawkins Kunstpädagogik studierte, brach der Erste Weltkrieg aus und er wurde eingezogen. Nachdem er in der Schlacht an der Somme 1916 am rechten Arm schwer verwundet worden war, lernte er mit der linken Hand zu malen und zu zeichnen. Um nicht als „kriegsversehrter Künstler“ stigmatisiert zu werden, arbeitete er 1927 für kurze Zeit unter dem Pseudonym Raokin, wurde aber später als Weaver Hawkins bekannt. 

Nach ausgedehnten Reisen ließ er sich 1935 mit seiner Familie in Australien nieder. Sein Werk beschäftigt sich mit den Folgen der Moderne; er zeichnete Arbeiter, schuf moralistische Werke über den Atomkrieg, aber auch spirituelle Gemälde. Sein Stil zeigt Einflüsse des Vortizismus, Surrealismus und des sozialen Realismus. Er war Mitbegründer der Contemporary Art Society von New South Wales, der er 1952 und von 1954 bis 1963 vorstand, sowie der Sydney Printmakers-Gruppe. 1976 zeigte die Art Gallery von New South Wales die erste Retrospektive seines Werks.