Roy Lichtenstein

Atom Burst (Atomexplosion)

Lichtenstein Atom Burst Modern Art Museum Of Fort Worth 1500
  • Roy Lichtenstein
  • Atom Burst (Atomexplosion)
  • 1965
  • Acryl auf Holztafel
  • 61 x 61 cm
  • Collection of the Modern Art Museum of Fort Worth, The Benjamin J. Tillar Memorial Trust © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Photo: Kevin Todora

Als eine der zentralen Gestalten für die Entwicklung der Pop-Art in Amerika verzichtete Roy Lichtenstein auf sämtliche Spuren konventioneller malerischer Zeichen zugunsten von Werken, die das entpersönlichte, mechanische Erscheinungsbild ihrer massenmedialen Quellen übernahmen. Lichtenstein eignete sich Bilder aus populären Comicserien an, insbesondere solche, die kitschige Liebes- und heroische Kriegsgeschichten zum Gegenstand hatten, und reproduzierte diese isolierten, narrativen Fragmente im monumentalen Maßstab der Historienmalerei. Obwohl die Werke tatsächlich von Hand ausgeführt wurden und der Künstler charakteristischerweise die Kompositionen der ursprünglichen Einzelbilder einer Geschichte änderte, erzeugten diese Gemälde den ebenso skandalösen wie falschen Eindruck, er habe einfach nur kommerzielle Motive auf die Leinwand übertragen und so den Unterschied zwischen Hoch- und Trivialkultur aufgehoben.

Mitte der 1960er-Jahre erweiterte Lichtenstein seine Themenpalette und beschränkte sich bei der Auswahl seiner Motive nicht mehr nur auf Comichefte, sondern bezog auch eine Reihe anderer kommerzieller und massenmedialer Bildquellen mit ein, obwohl er sich auch weiterhin an den ästhetischen Codes billiger Druckerzeugnisse orientierte, wie dies Atom Burst (1965) zeigt: dicke schwarze Umrisslinien, matte Farben und Schablonenmuster, die das niedrigauflösende Benday-Dots-Druckverfahren nachahmen. Lichtenstein schildert den emporsteigenden Atompilz als comicartige Explosion, bedient sich also der Bildsprache der populären Unterhaltungsindustrie, um ein zur Ikone gewordenes Sinnbild von Tod und Zerstörung darzustellen. Das Bild des Atompilzes ist sofort zu erkennen und zugleich vollkommen unspezifisch, da es weniger als Emblem der Tragödie der Menschheit denn als weitverbreitete Bildtrope präsentiert wird.

Rachel Wetzler

Biografie von Roy Lichtenstein

  • Geboren 1923 in New York, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1997 in New York, New York, Vereinigte Staaten

Roy Lichtenstein war einer der ersten Pop-Art-Künstler und ist einer der bekanntesten. 1940 besuchte er Kurse an der Art Students League in New York. Nach dem Abschluss der Highschool schrieb er sich an der Ohio State University ein, unterbrach sein Studium jedoch, um im Zweiten Weltkrieg Militärdienst zu leisten. 

1945 machte er seinen Bachelor-, vier Jahre später seinen Masterabschluss. Anschließend arbeitete er als Dozent an der Hochschule und begann seriell zu arbeiten. Als Inspirationsquelle dienten ihm unter anderem gedruckte Vorlagen. 1951 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Carlebach Gallery in New York. 1960 begann er mit Sujets und Bildern aus den Massenmedien zu arbeiten und entwickelte seinen charakteristischen Stil, indem er mit von Hand aufgetragenen Punktrastern das industrielle Rasterdruckverfahren simulierte. 

Lichtenstein gehörte zu der ersten Gruppe von Pop-Art-Künstlern, die 1962 an einer viel beachteten Ausstellung in der New Yorker Leo Castelli Gallery teilnahmen. Ende der 1960er-Jahre zeigten das Pasadena Art Museum, das Stedelijk Museum in Amsterdam und das Solomon R. Guggenheim Museum in New York erste Retrospektiven seines Werks. Lichtensteins Œuvre umfasst mehr als 5 000 Gemälde, Drucke, Zeichnungen, Skulpturen und Wandgemälde.