Hamed Owais

Al Zaim w Ta’min Al Canal (Nasser und die Verstaatlichung des Kanals)

Owais Nasser And The Nationalisation Of The Canal Mathaf 1500
  • Hamed Owais
  • Al Zaim w Ta’min Al Canal (Nasser und die Verstaatlichung des Kanals)
  • 1957
  • Öl auf Leinwand
  • 109 x 134,7 cm
  • QM/QF - Mathaf: Arab Museum of Modern Art, Doha - Qatar

Mit seinem Bild Al Zaim w Ta’min Al Canal (1957) reagierte Hamed Owais auf die politischen Ideale der von Muhammad Naguib (1901‒1984) und Gamal Abdel Nasser (1918‒1970) angeführten Ägyptischen Revolution von 1952, mit der die Monarchie beendet und eine unabhängige Regierung eingesetzt wurde. Im darauffolgenden Zeitraum durchdrangen nationalistische Leidenschaft und populistische Sympathien in der Arbeiterklasse die künstlerischen Sphären Ägyptens. In dem für ihn charakteristischen Stil eines monumentalen Realismus schilderte Owais häufig die alltäglichen Kämpfe und Siege der ägyptischen Bauern und Arbeiter. Er gilt als einer der führenden ägyptischen Maler des sozialen Realismus.

Al Zaim w Ta’min Al Canal (Nasser und die Verstaatlichung des Kanals) erinnert an Präsident Nassers Erlass von 1956, die Suez Canal Company von ihren größtenteils britischen Eigentümern zu übernehmen, ein Schritt, der bedeutsame regionale und internationale Konsequenzen nach sich zog. Mit diesem gewagten Schritt sollte Ägyptens Souveränität geltend gemacht, der westliche Imperialismus zurückgedrängt und finanzielle Mittel für Projekte wie den Assuan-Staudamm generiert werden, die Ägyptens Landwirtschaft zugutekommen sollten. Auf diesem Bild porträtiert Owais Präsident Nasser als einen charismatischen Führer, der aus der Menge emporragt, um eine Widmungsrede zu halten. Die Menschen scheinen verzückt zu sein, während er in Richtung eines unsichtbaren Punktes gestikuliert, wodurch seine Bedeutung als visionäre Persönlichkeit unterstrichen wird. In der Ecke oben rechts deutet ein Schiffsbug den Schauplatz des Geschehens an. Hier wie andernorts malte Owais seine Figuren mit markanten Gesichtszügen, die ihnen eine nahezu mythische Anmutung verleihen. Mit Sicherheit reicht das Bild Nassers selbst über den Status des bloßen politischen Führers hinaus und lässt diesen zu einer Verkörperung des populären Heroismus, der symbolischen Verbindung von Ägyptens nationalen und sozialistischen Ambitionen werden.

Tiffany Floyd

Biografie von Hamed Owais

  • Geboren 1919 in Beni Suef, Sultanat Ägypten
  • Gestorben 2011 in Kairo, Ägypten

Hamed Owais arbeitete zunächst als Metallarbeiter, schrieb sich dann aber an der Kairoer Kunsthochschule ein, weil er mit seinem Beruf unzufrieden war. 1944 machte er seinen Abschluss. Anschließend studierte er am Institut für Kunsterziehung bei Youssef el-Afifi. 

1947 gründete er mit Gamal el-Sigini (1917–1977), Gazbia Sirry (* 1925), Zeinab Abdel Hamid (1919–2002), Youssef Sida (1922–1994) und anderen eine Künstlergruppe, die den Alltag ganz gewöhnlicher Ägypter in den Blick nahm und Kunst als revolutionäres Mittel des gesellschaftlichen Wandels betrachtete. 

In seinen Gemälden schilderte Owais das harte Leben der ägyptischen Arbeiterklasse mit den Farben Kairos. Bei seinem Besuch der Biennale von Venedig im Jahr 1952 begegnete er dem sozialkritischen italienischen Realismo, was zu einer Neuausrichtung seiner künstlerischen Praxis führte. 

Später entwickelte er eine starke Affinität zu den mexikanischen Muralisten um Diego Rivera (1886–1957). 1956 wurde er mit dem Guggenheim International Award ausgezeichnet, 1958 von der Universität Alexandria als Professor an die Fakultät für bildende Kunst berufen, die er von 1977 bis 1979 leitete. Von 1967 bis 1969 studierte Owais in Madrid an der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando.