Colette Oluwabamise Omogbai

Agony (Agonie)

Omogbai Agony Iwalewahaus 1500
  • Colette Oluwabamise Omogbai
  • Agony (Agonie)
  • 1963
  • Öl auf Hartfaser
  • 69 x 50,5 cm
  • Iwalewahaus, Universität Bayreuth. DEVA, Universität Bayreuth

Colette Oluwabamise Omogbai war eine wegweisende Künstlerin in einer von Männern dominierten Kunstszene. Sie erhielt Kunstdiplome von Schulen in Nigeria, England und den Vereinigten Staaten und schuf dieses Gemälde während ihres Studiums an der Ahmadu Bello University in Zaria. Ein Thema, das sie während ihrer gesamten Laufbahn beschäftigte, war die Menschlichkeit der Emotion, ein Thema, mit dem sie sich charakteristischerweise mittels ausdrucksstarker Farben und abstrahierter Formen befasste. „Ich versuche auf der Leinwand Albträume und Träume wiederzugeben, ja tatsächlich die Andersartigkeit, die dem menschlichen Fleisch zugrunde liegt.“

Bei Agony (1963), das Teil einer nach verschiedenen Emotionen benannten Gemäldeserie ist, handelt es sich um eine schrille Komposition miteinander kontrastierender Farben und zerklüfteter Formen. Durch die extreme Fragmentierung des menschlichen Körpers ist das Sujet nahezu unidentifizierbar geworden. Unzusammenhängende Gliedmaßnahmen, Hals und Hände prallen in der seichten Tiefe dieses Gemäldes aufeinander. Von dem leuchtend pinken mittleren Bereich nach außen abstrahlend, lösen sich Gesichter und Körper in hochgradig gesättigte Farbblöcke auf. Miteinander verbunden, ohne sich gegenseitig zu überlappen, gleitet dieses Amalgam aus Körperteilen vor einem pastosen Hintergrund aus Kobaltblau dahin, und das Fehlen eines narrativen Kontexts sorgt bei den Betrachtern für eine zusätzliche Irritation.

Indem sie diese Gemälde als eine Personifizierung universeller Themen bezeichnete, schuf Omogbai ein psychologisches Werk, das einige Kritiker zu dem Hinweis veranlasste, ihr Gefühl für das Zerreißen, Auseinandernehmen und unerwartete Neuordnen ähnele der Syntax der nigerianischen Poesie. Neologismen führen disparate Worte zusammen und schockieren den Leser fast ebenso häufig, wie sie neue Denkbahnen eröffnen. Auf vergleichbare Weise ruft Omogbais Neuordnung der menschlichen Gestalt sowohl eine instinktive Reaktion als auch eine neue intellektuelle Art des Hinterfragens hervor.

Joseph Underwood

Biografie von Colette Oluwabamise Omogbai

  • Geboren 1942 in Zaria, Nigeria

Colette Omogbai ist eine wegweisende nigerianische Malerin, die als Surrealistin gilt. 1964 schloss sie ihr Malereistudium am Nigerian College of Arts, Science and Technology (heute Ahmadu Bello University, Zaira) ab, wo sie Künstler der Zaira Art Society wie z.B. deren Mitbegründer Uche Okeke kennenlernte. 

Die Arbeiten, die sie bei ihrer ersten Einzelausstellung 1963 im Mbari Club in Ibadan präsentierte, zeigten von Schmerz gepeinigte Figuren innerhalb leuchtend farbiger Bereiche – eine expressive Bildsprache an der Schwelle zur reinen Abstraktion, die sich vollständig vom akademischen Realismus gelöst hatte. 1965 zog sie nach Lagos. 

Ihre kühnen formalen Experimente veranlassten Kritiker, ihr Werk als „unfeminin“ zu bezeichnen. Sie konterte mit dem promodernistischen Manifest „Man Loves What Is ‚Sweet‘ and Obvious“, das 1965 in der Zeitschrift Nigeria publiziert wurde. Später studierte Omogbai an der Slate School of Fine Art in London und promovierte im Fach Kunsterziehung an der New York University.