Igael Tumarkin

Aggressiveness (Aggressivität)

Tumarkin Agression Tel Aviv Museum Of Art 1 1500 - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig
  • Igael Tumarkin
  • Aggressiveness (Aggressivität)
  • 1964–65
  • Eisen
  • 218 x 87 x 60 cm
  • Collection Tel Aviv Museum of Art - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig

Von 1955 an war Igael Tumarkin Assistent des Bühnenbildners Karl von Appen (1900–1981) in Berlin, bevor er schließlich 1961 nach Israel übersiedelte und in der dortigen Kunstszene den Bruch mit der Lyrischen Abstraktion einleitete. Für seine Skulpturen setzt er konsequent auf Strategien der chaotischen Assemblage und arbeitet häufig mit Industrieschrott, wie Ketten, Rohre und Maschinenteile. Die in ihrer Materialität banale, visuell jedoch beeindruckende aufrechte Figur mit dem Titel Aggressiveness (1964–1965) scheint ihre Körperteile als Waffen einzusetzen. Auf dem Kopf prangt ein chaotisches Gewirr aus Rohren und Stangen, doch ist das Gesicht ausdruckslos und leer. Die Wut dieser brutalen, misshandelten Gestalt brandet dem Betrachter entgegen und richtet sich gleichzeitig gegen sich selbst.

Wie sein Mentor Rudi Lehmann (1903–1977) fühlte sich Tumarkin zu den Ideen der „Kanaaniter“ hingezogen, einer Bewegung, die eine säkulare, territoriale und inklusive – nicht auf dem jüdischen Glauben basierende – hebräische Identität propagierte und diese den zionistisch-nationalistischen Formen literarischer und künstlerischer Darstellung entgegensetzte. Tumarkin kritisierte offen das aggressive Vorgehen Israels gegen die Nachbarstaaten sowie die Politik der Enteignung. Die in Aggressiveness zu sehende Gestalt lässt sich aber nicht sicher als Soldat deuten, sie bleibt ambivalent, ist sowohl Opfer als auch Täter zugleich. Die Formel E = mc², auf der Vorderseite der Skulptur deutlich zu erkennen, weist zudem auf Israels Atommacht-Ambitionen sowie die Gefahr nuklearer Vernichtung im Kalten Krieg hin. Tumarkin zog es vor, das intellektuelle und monumentale Potenzial abstrakter Figuration auszuloten, anstatt sich mit dem Status quo abzufinden, mit jener Kunst, die nur „den kleinsten gemeinsamen Nenner“ befriedigte, den „Bombast“ heroischer, nationalistischer Embleme.

Gemma Sharpe

Biografie von Igael Tumarkin

  • Geboren 1933 in Dresden, Deutsches Reich

Igael Tumarkin ist Maler, Grafiker und Bildhauer; er schuf Mahnmale wie Holocaust and Revival (1971) für den Rabin-Platz in Tel Aviv und das Denkmal für die gefallenen Soldaten in der Wüste Negev. Sein Vater, Martin Hellberg, war ein deutscher Theaterschauspieler und -direktor.

1935 flüchtete er im Alter von nur zwei Jahren mit seiner jüdischen Mutter und seinem Stiefvater, Herzl Tumarkin, aus Deutschland nach Israel. Nach seinem Militärdienst bei der israelischen Marine (1951–1954) studierte er Bildhauerei bei Rudi Lehmann (1903–1977) in Ein Hod, einem Künstlerdorf in der Nähe von Haifa. 

Tumarkin kehrte 1955 nach Deutschland zurück, arbeitete mit dem Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht (1898–1956) am Berliner Ensemble zusammen und assistierte dem Bühnenbildner Karl von Appen (1900–1981). Bis 1961 arbeitete er als Bildhauer und Bühnenbildner in Europa. 

Nach Auslandsreisen und einigen Jahren, die er in den USA verbrachte, ließ er sich Ende der 1970er-Jahre schließlich in Tel Aviv nieder. Seine Werke wurden international ausgestellt, und er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2004 den renommierten Israel-Preis.