Bruce Conner

A MOVIE (EIN FILM)

Conner A Movie
  • Bruce Conner
  • A MOVIE (EIN FILM)
  • 1958
  • 16mm Schwarz-Weiß-Film, digital restauriert 2016
  • 12 min.
  • Courtesy of the Conner Family Trust and Kohn Gallery, Los Angeles

Bruce Conner, ein Pionier des amerikanischen Experimentalfilms und der rhythmischen Montage, lebte und arbeitete in San Francisco und stand der Gegenkulturbewegung der Beatgeneration nahe. Mit A MOVIE (1958) machte Conner erstmals einen Abstecher in den Bereich der Assemblage. Sich auf geschickte Weise der Konventionen des Erzählkinos bedienend, fügte Conner ein erstaunliches Sortiment gefundener Bilder zusammen und schuf so eine Montage, die sich jedem Versuch einer herkömmlichen Interpretation entzieht. Die Eröffnungssequenzen präsentieren dem Betrachter eine Kombination aus Vor- und Abspann, in die eine Art Softpornobild eingestreut ist. Daran schließt sich, in einer neuerlichen Umkehrung der Konventionen des Kinos, eine wie in einem Abenteuerromanheft in rascher Folge ablaufende Reihe von „Actionszenen“ an: Cowboys und Indianer, Rennwagen sowie verschiedene Naturkatastrophen und vom Menschen verursachte Katastrophen – Bilder, die, im Unterschied zu einem Spielfilm, eher an die Trailer erinnern, die für gewöhnlich im Kino vor dem Hauptfilm laufen: eine Montage von „Actionsszenen“, die, wie das Pornobild am Anfang des Films, mehr versprechen als sie letztlich halten. Die Art und Weise, wie Conner diese Sequenzen montiert hat, verhindert jedoch, dass sie ins Klischeehafte abrutschen. Jede der aufeinanderfolgenden Montagen ist eine vorweggenommene Bestätigung der sich abzeichnenden Landschaft des Nachkriegsamerika, so wie sie in den Massenmedien präsentiert wurde, und verzichtet auf die trockene Ironie, die in großen Teilen der Pop-Art an die Stelle der Treue zum Persönlichen und Autobiografischen treten sollte – ein Charakteristikum, auf das der Künstler besonders hinweist, indem er im Zusammenhang mit diesem Filmen die Bezeichnung „Amateurfilm“ verwendet.

Damian Lentini

Biografie von Bruce Conner

  • Geboren 1933 in McPherson, Kansas, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 2008 in San Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Bruce Conner studierte an der Wichita University und an der University of Nebraska, wo er 1956 den Bachelor of Fine Arts erwarb. Ein Stipendium ermöglichte ihm den Besuch der Brooklyn Museum Art School und der University of Colorado. Ab 1957 lebte und arbeitete er in San Francisco, wo er sich schon bald den Beatniks, Vertretern der Gegenkultur, anschloss. In seinen Collagen, Skulpturen, Gemälden, Fotografien, druckgrafischen Werken, Performances und Filmen verarbeitete er Fundobjekte.

Er gilt als Pionier des amerikanischen Experimentalfilms und des rhythmischen Schnitts; aus dem Kontext gerissene Filmschnipsel, die er irgendwo gefunden hatte, und Filmmaterial aus Wochenschauen, B-Movies, Archivaufnahmen, pädagogischen und Wirtschaftsfilmen setzte er neu zusammen. Mit dem auf diese Weise entstandenen Film A Movie hatte er 1958 seinen Durchbruch.

Bekannt wurde Conner darüber hinaus durch seinen innovativen Einsatz von Musik als strukturierendes Element (Cosmic Ray, 1961) und seine kritische Haltung gegenüber den Medien des Mainstream. Auch mit gesellschaftspolitischen Themen der Nachkriegszeit setzte er sich kritisch auseinander, so z.B. mit der Ermordung John F. Kennedys (Report, 1967) oder der atomaren Bedrohung (Crossroads, 1976). Die renommierte Ferus Gallery in Los Angeles widmete ihm 1962 eine Einzelschau. 1967 zeigte er im Rahmen der Ausstellung Funk Art am University Art Museum im kalifornischen Berkeley figurative Arbeiten aus der Bay Area.