Konferenz: "Postwar: Art Between the Pacific and the Atlantic, 1945–1965" / Vortrag von Alexandra Munroe 24.05.14

Godzilla’s Schizophrenia: Americanization and the culture of defeat in postwar Japan
[Godzillas Schizophrenie: Amerikanisierung und die Kultur der Niederlage im Japan der Nachkriegszeit]

Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 erzwangen die bedingungslose Kapitulation des japanischen Kaiserreichs vor den alliierten Streitkräften und beendeten den Zweiten Weltkrieg. Motiviert von militaristischer Ideologie und dem Traum von einem vereinten Asien unter der “Yamato-Rasse” hatte Japan im Krieg über knapp 8 Millionen Quadratkilometer der Region Asien-Pazifik geherrscht und war damit zu einem der größten maritimen Imperien der Geschichte geworden. Es war auch eines der unmenschlichsten. Doch mit der amerikanischen Besatzung und der raschen Entwicklung zum wichtigsten westlichen Verbündeten an der pazifischen Front des Kalten Krieges wurden in Japan die Geschichte des Krieges und die kollektive Erinnerung von Amts wegen gelöscht. Amerikanische Elite-Akademiker arbeiteten eng mit dem Außenministerium zusammen und schufen ein neues Bild von Japan: aus dem Aggressor wurde eine Opfernation. Entmilitarisiert und in einem rasanten Wiederaufbau begriffen, machte die japanische Nachkriegsgesellschaft eine Kehrtwende und ergab sich dem amerikanischen Einfluss. Die vorliegende Untersuchung ist der Komplexität der “Kultur der Niederlage” in Japan gewidmet, indem sie die Wege einzelner Künstler nachzeichnet, die innerhalb eines Rasters von Uneindeutigkeiten nach ihrer authentischen, subjektiven Identität suchten. Einerseits lehnten sie das ideologisch motivierte, von Amerika geschaffene Konstrukt eines befriedeten, verweichlichten und beschaulichen Japans ab, andererseits internalisierten sie mit Bedacht, was der Gutai-Gründer Jiro Yoshihara als den “psychologischen Realismus” des in der Avantgardekunst ausgedrückten amerikanischen Humanismus bezeichnet hat.

Alexandra Munroe
Alexandra Munroe ist Samsung Senior Curator für asiatische Kunst am Solomon R. Guggenheim Museum. Als Kapazität auf dem Gebiet der modernen und zeitgenössischen asiatischen Kunst sowie der transnationalen Kunstwissenschaft leitet sie seit dessen Gründung im Jahr 2006 die dortige Abteilung für asiatische Kunst. Munroe hat Retrospektiven der Künstlerinnen und Künstler Cai Guo Qiang, Yayoi Kusama, Lee Ufan, Liu Dan, Mu Xin (mit Wu Hung) und Yoko Ono kuratiert; weiterhin war sie verantwortlich für die thematischen Ausstellungen “Gutai: Splendid Playground”  (mit Ming Tiampo), “The Third Mind: American Artists Contemplate Asia, 1860–1989″ sowie “Little Boy: The Arts of Japan’s Exploding Subculture” (mit Takashi Murakami). Ihr Projekt “Japanese Art after 1945: Scream Against the Sky” (1994) gilt als Initialzündung für die japanische Nachkriegs-Kunstgeschichte in den USA. Munroe ist in Japan aufgewachsen; 1998 bis 2005 war sie Vizepräsidentin der Japan Society in New York und leitete deren Museum.