Realismen

Wojciech Fangor, Postaci (Figuren), 1950 - © Muzeum Sztuki in Łódź. Courtesy Galeria Stefan Szydlowski

Wojciech Fangor, Postaci (Figuren), 1950 - © Muzeum Sztuki in Łódź. Courtesy Galeria Stefan Szydlowski

Die andere Hälfte der Binarität des Kalten Krieges ist der Sozialistische Realismus der sowjetischen, chinesischen, ost- und mitteleuropäischen Kunst. Die institutionelle Aneignung fand hier größtenteils vor und nicht nach dem künstlerischen Prozess statt, wobei Berichte über diese Kategorie auch übermäßig starr sein können. Selbst in der Blütezeit seiner Durchsetzung war der Sozialistische Realismus nie ein einheitlicher Stil. Unter Mao produzierten chinesische Künstler große offizielle Portraits des Vorsitzenden (Jia Youfu, Marching Across the Snow-covered Mount Minshan / Überquerung des schneebedeckten Min Shan, 1965) und vorbildlicher Arbeiter, aber es herrschte auch eine gewisse Toleranz gegenüber traditioneller Tuschemalerei, wobei hier oft Symbole des neuen Systems hinzugefügt wurden, etwa eine rote Fahne. In der Sowjetunion zeichnet sich die Kunst von den 1940er Jahren bis zu Stalins Tod 1953 vor allem durch eine Feier des Arbeiterlebens und durch heroische Bilder der Parteiführer aus (Wassilij Jakowlew, Portrait von Georgii Zhukov, Marschall der Sowjetunion, 1946). Im politischen Tauwetter nach Stalins Tod traten dann die von den russischen „Wanderern“ des 19. Jahrhunderts beeinflusste Genremalerei und der sogenannte „strenge Stil“ in den Vordergrund, der auf die sowjetischen Kunst der 1920er und frühen 1930er Jahre zurückging. Außerhalb der UdSSR hatten Künstler, die mit offiziellen Darstellungen sozialistischer Werte betraut waren, einen größeren Spielraum. Maler wie der in der ČSSR geborene Willi Sitte schufen Werke, die zwar offiziell gebilligte Themen darstellten, gleichzeitig aber ganz individuelle Zeichenstile erkennen ließen. Neben einigen mittelgroßen Arbeiten, die für Museen bestimmt waren, werden in dieser Abteilung Monumentalwerke für den öffentlichen Raum, populäre Drucke und Dokumentationen gezeigt.

Ebenfalls zu dieser Abteilung gehören der einflussreiche mexikanische Wandmaler David Siquieros, ideologisch programmatische Kunst von Amerikanern wie Norman Rockwell, die mit Realismus und Volksnähe assoziiert sind, sowie Kunst von Mitgliedern der kommunistischen Partei, die außerhalb kommunistisch regierter Länder arbeiteten wie z.B. Renato Guttuso and Boris Taslitzky.

Künstler im Kontext