Nachwirkungen: Die Stunde Null und das Atomzeitalter

Weaver Hawkins, Atomic Power (Atomkraft), 1947 - © Collection: Art Gallery of New South Wales - Purchased 1976

Weaver Hawkins, Atomic Power (Atomkraft), 1947 - © Collection: Art Gallery of New South Wales - Purchased 1976

Die Nachkriegsära steht unter dem apokalyptischen Zeichen der Atombombe – einer Technologie, die ein Zeitalter ineinander verflochtener Anfänge und Enden, von Versprechen und Verrat einläutete. Während die Bilder der Konzentrationslager dem europäischen Streben nach moralischer Allgemeingültigkeit ein Ende setzten, markierte die atomare Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki das Ende der politischen Macht Europas und den Beginn einer Ära amerikanischer Militärdominanz. Dies wiederum führte zu einer neuen Art des Krieges: dem Kalten Krieg und dem Wettrüsten. Während das Ende des Zweiten Weltkriegs für Japan den Beginn einer Besatzungszeit bedeutete, war es gleichzeitig der Auslöser für Befreiungs- und Unabhängigkeitskämpfe, unter anderem in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten. In ihrer internationalen, bildlichen Allgegenwärtigkeit – und als konkrete, globale Gefahr – prägte die Ikonografie des Atompilzes ein neues Bewusstsein der Welt als eine einzige, geschlossene Einheit. Das auf Militärtechnologie basierende Weltraumforschungsprogramm trug weiterhin dazu bei, dass sich ein neues Gefühl für Maßstab herausbildete: Plötzlich sah man die Erde aus einer neuen Perspektive, die sie noch mehr als Einheit, als fest verbundenes Ganzes erscheinen ließ.

Der Einsatz der Atombombe bekräftigte und inszenierte die militärische und wirtschaftliche Dominanz der USA. Nordamerikanische Künstler wie Norman Lewis in seinem Werk Every Atom Glows: Electrons in Luminous Vibration (Jedes Atom leuchtet: Elektronen in strahlender Vibration) (1951) waren fasziniert von dem Naturwunder Atombombe und den biblischen Ausmaßen ihrer Kraft, selbst wenn sie den Argumenten, mit denen die US-Regierung ihren Einsatz zu rechtfertigen versuchte, skeptisch gegenüberstanden. Natürlich war die Atombombe auch eine japanische Geschichte, die durch Fotografien (von denen viele erst viel später veröffentlicht wurden) und von Künstlern wie Iri und Toshi Maruki erzählt wurde, die nur drei Tage nach der Bombardierung nach Hiroshima zurückgekehrt waren und beschlossen hatten, mit einem ehrgeizigen Bilderzyklus, den Hiroshima-Tafeln (1950-1982), zu beginnen, der das Leiden beschreiben sollte, das sie dort gesehen hatten. In der Folge des Technikkults der Futuristen konzentrierten sich auch italienische Künstler auf die Atombombe. 1952 malte Enrico Baj das Manifesto Bum, einen Kopf in der Form eines schwarzen Atompilzes vor einem giftgelben Hintergrund, überschrieben mit Anti-Atom-Slogans und Formeln: „Die Köpfe der Menschen sind mit Sprengstoff geladen / jedes Atom explodiert“.

Fotografien und Filme von den Konzentrations- und Vernichtungslagern wurden unmittelbar nach dem Krieg veröffentlicht. Der Schock, den diese Bilder auslösten, und das volle Erkennen des Ausmaßes und des Grauens der Lager wurden zum Ausganspunkt für viele Kunstwerke, darunter Joseph Beuys’ Hirschdenkmal (1949-58), Gerhard Richters Atlas (1962-heute) und Wolf Vostells Deutscher Ausblick aus dem Zyklus Schwarzes Zimmer (1958-63).

Künstler im Kontext