Yosef Zaritsky

Yehiam (Life on the Kibbutz) (Yehiam [Leben im Kibbuz])

Zaritsky Yehiam Life On The Kibbutz  Tel Aviv Museum Of Art 1500 - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig
  • Yosef Zaritsky
  • Yehiam (Life on the Kibbutz) (Yehiam [Leben im Kibbuz])
  • 1951
  • Öl auf Rupfen auf Leinwand
  • 208 × 228 cm
  • Collection Tel Aviv Museum of Art - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig

Yehiam (Life on the Kibbutz) (1951) ist Teil von Josef Zaritskys Yehiam-Serie (1949–1951), mit der dieser die landwirtschaftliche Utopie des Kibbuz feiert, einer Gemeinschaftsbewegung, in deren Zentrum sozialistisch-zionistische Überzeugungen standen. Bei diesem großen, hellen Bild lenken die dichten, einander überlagernden Pinselstriche das Auge von den Rändern der groben Sackleinwand in die Mitte der Komposition. Leuchtend rote, gelbe und grüne Striche akzentuieren die in der Komposition vorherrschenden gedämpften Grün- und erdhaften Brauntöne. Mittels dynamischer Gesten präsentiert Zaritsky hier Eindrücke einer Welt bukolischen Grüns, sanfter Bewegung und harmonischer, tierischer wie menschlicher, Körper. Beeinflusst von der von ihm beibehaltenen Praxis des Malens mit Wasserfarben, bedient sich Zaritsky in seiner Ölmalerei eines formal ähnlich freien, malerischen Ansatzes. 

Seit 1923 in Israel ansässig, als das Gebiet noch Palästinamandat war und unter britischer Verwaltung stand, wurde Zaritsky eine führende Gestalt in der Gruppe Ofakim Hadashim (Neue Horizonte). Diese 1942 ins Leben gerufene Gruppe entwickelte sich mit der Gründung Israels 1948 zu einem zusammenhängenden Kollektiv. Die stilistisch sehr unterschiedlichen Künstler verfochten die modernistische Abstraktion und die affirmative Rolle der Kunst beim nation building. Das drei Jahre nach der Staatsgründung entstandene Bild Yehiam (Life on the Kibbutz) ignoriert die spezifischen, Familie, Sozialismus, Arbeit, Zionismus und Religion betreffenden Kibbuz-Ideologien. Stattdessen öffnet es ein fantasievolles Fenster auf die utopische Atmosphäre selbst, die warm und kühl, lebendig und dynamisch, eng mit der Natur verbunden, für jedermann offen und hoffnungsvoll zugleich ist.

Gemma Sharpe

Biografie von Yosef Zaritsky

  • Geboren 1891 in Borispol, Russisches Reich
  • Gestorben 1985 in Tel Aviv, Israel

Josef Zaritsky hatte großen Anteil an der Entwicklung der israelischen Kunst. Von 1910 bis 1914 studierte er an der Kunstakademie in Kiew. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er einberufen; von 1915 bis 1917 leistete er Kriegsdienst. 

1923 emigrierte er nach Jerusalem, Mitte der 1920er-Jahre zog er mit seiner Familie nach Tel Aviv. Dort nahm er aktiv am Kulturleben der Stadt teil und schilderte in seinen Bildern – vor allem Aquarellen – das Alltagsleben der Bewohner. 1927 ging er nach Paris und ließ sich von den modernen Kunstwerken, die er dort sah, inspirieren. 

Zusammen mit seinen Kollegen der Künstlergruppe Ofakim Hadashim (Neue Horizonte) versuchte er 1948 den progressiven zionistischen Modernismus zu fördern. Ab den 1930er-Jahren malte Zaritsky Hunderte von Aquarellen, die Tel Aviver Hausdächer zeigen. Seine Bilder wurden immer abstrakter – eine Phase der künstlerischen Umorientierung hatte begonnen. 

1948 wurde Zaritsky Vorsitzender der Vereinigung der Maler und Bildhauer und stellte auf der Biennale von Venedig aus. 1955 hatte er eine Einzelausstellung im Stedelijk Museum in Amsterdam.