Mieczysław Berman

Wojna (Krieg)

Berman War Muzeum Narodowe We Wroclawiu 1500
  • Mieczysław Berman
  • Wojna (Krieg)
  • 1944
  • Collage
  • 30 x 23.5 cm
  • Muzeum Narodowe we Wrocławiu (National Museum in Wroclaw)

Mieczysław Berman, eine zentrale Gestalt innerhalb der Entwicklung der politischen Fotomontage in Polen, war in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in linken Kreisen aktiv und 1934 Mitbegründer der kommunistischen Künstlergruppe Czapka Frygijska (Phrygische Mütze). Während sich Bermans erste Fotomontagen, die in den späten 1920ern entstanden, vor allem am Beispiel des sowjetischen konstruktivistischen Grafikdesigns orientierten, wurde er ab den 1930er-Jahren primär von den agitatorischen Fotomontagen beeinflusst, die John Heartfield (Helmut Herzfelde, 1891‒1968) für die Arbeiter Illustrierte Zeitung schuf, eine antifaschistische und prokommunistische Zeitschrift, die 1921 in Deutschland gegründet wurde.

Wojna (1944‒1945) und Apoteoza (1947) gehören zu zwei Zyklen von Fotomontagen, die Berman unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg schuf. Beide Serien vermitteln antifaschistische und anti-imperialistische Botschaften: »Krew i Żelazo« (Blut und Eisen) bzw. »Krew i Złoto« (Blut und Gold). In Wojna (Krieg) zeigt Berman ein Pferde- und ein Reiterskelett, die über der Luftaufnahme einer bombardierten Stadt schweben, während vier Flugzeuge über der Szene kreisen. Der Reiter, eine allegorische Darstellung von Tod und Zerstörung in Gestalt eines nationalsozialistischen Soldaten, trägt einen deutschen Militärhelm und hält eine Maschinenpistole in der Hand. In der Fotomontage Apoteoza (Apotheose) ist eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Atompilzes mit einer amerikanischen Flagge verflochten, dem einzigen farbigen Element in diesem Bild. Berman betont hier nicht nur die Verantwortung der Vereinigten Staaten für die Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki 1935, sondern er legt auch nahe, dass der amerikanische Imperialismus untrennbar mit ihrem Einsatz der Atombombe verknüpft ist.

Rachel Wetzler

Biografie von Mieczysław Berman

  • Geboren 1903 in Warschau, Polen
  • Gestorben 1975 in Warschau, Polen

Mieczysław Berman begann sich schon während seines Grafikdesign- und Typografiestudiums an der Städtischen Schule für Dekorative Kunst und Malerei in Warschau für den russischen Konstruktivismus zu interessieren. 1927 begann er konstruktivistische Collagen zu fertigen, die außerdem Einflüsse des Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy (1895–1946) und der Dadaisten Kurt Schwitters (1887–1948) und Hannah Höch (1889–1978) zeigen. Sein bevorzugtes Medium waren Fotomontagen, die er oft auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen zusammenstellte. 1930 entdeckte er in der Arbeiter Illustrierte Zeitung politische Fotomontagen von John Heartfield und entfernte sich in der Folge vom Konstruktivismus, um in Heartfields Fußstapfen zu treten. Mit Franciszek Bartosek gründete Berman die Warschauer Künstlergruppe (auch bekannt als „Phrygische Mütze“), eine der kommunistischen Partei angegliederte Organisation, die von 1934 bis 1938 aktiv war. Die Gruppe organisierte zwei Ausstellungen: eine in Warschau (1936) und eine in Krakau (1937). 1937 erhielt Biermann auf der Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne in Paris die Goldmedaille für Plakatgestaltung. Während des Zweiten Weltkriegs hielt er sich in der Sowjetunion auf, wo er an der polnischsprachigen russischen Zeitung Rotes Banner ) mitarbeitete. Nach dem Krieg publizierte er satirische Zeichnungen und Fotomontagen in Magazinen wie Szpilki und illustrierte Texte von Stanisław Jerzy Lec.