Gertrud Louise Goldschmidt

Vibración en negro (Vibration in Schwarz)

Gego Vibracion En Negro Mfa Houston 1500 - © Fundación Gego. Museum of Fine Arts, Houston, Texas, USA.
  • Gertrud Louise Goldschmidt
  • Vibración en negro (Vibration in Schwarz)
  • 1957
  • Aluminium schwarz lackiert
  • 75 x 60 x 43 cm
  • Fundacion Gego Collection at the Museum of Fine Arts, Houston/Bridgeman Images - © Fundación Gego. Museum of Fine Arts, Houston, Texas, USA.

Gertrud Goldschmidt, Pseudonym Gego, fand erst in ihrem späteren Leben zur Kunst. Nachdem sie in ihrer deutschen Heimat Architektur studiert hatte, war sie infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gezwungen, nach Venezuela auszuwandern. Dort vollendete Gego ihre ersten Kunstwerke, eine Serie zarter Zeichnungen und Druckgrafiken. Innerhalb der venezuelanischen Kunstszene, wo Künstler wie Jesús Rafael Soto mit der Erzeugung optischer Illusionen im dreidimensionalen Raum experimentierten, wandte Gego ihre Aufmerksamkeit schon bald der Skulptur zu.

Vibración en negro (1957), eine von Gegos ersten Skulpturen, entstand nach einer Europareise 1955 und 1956. Während ihrer Reisen besuchte sie eine Reihe von Galerien und Museen in Westdeutschland, der Schweiz und Großbritannien. Besonders fasziniert war sie offenbar von Max Bills Werk Unendliche Schleife (1935), einer skulpturalen Interpretation des Möbiusbandes, einer verdrehten Schleife, die nur eine Seite hat und daher die mathematische Eigenschaft besitzt, nicht orientierbar zu sein. Nach ihrer Rückkehr nach Caracas kombinierte Gego ihr Interesse an Bills Werken mit den kinetischen Experimenten ihrer venezuelanischen Kollegen und schuf Vibración en negro, eine Hängeskulptur aus kontinuierlichen, bemalten Aluminiumstreifen. Dieses grazil von der Decke herabhängende Werk beginnt sich zu drehen, sobald die Bewegungen der Betrachter Luftströme erzeugen. Wenn sich die Linien drehen, verschiebt sich ihr Netzwerk unaufhörlich und erzeugt so einen schimmernden Effekt oder, wie es der Titel nahelegt, eine visuelle Schwingung.

Daniel Milnes

Biografie von Gertrud Louise Goldschmidt

  • Geboren 1912 in Hamburg, Deutschland
  • Gestorben 1994 in Caracas, Venezuela

Die Künstlerin und Bildhauerin Gego wurde vor allem in den 1960er-Jahren mit geometrischen Abstraktionen und kinetischer Kunst bekannt. Nach einem Ingenieurs- und Architekturstudium an der Hochschule für Technik in Stuttgart (1932–1938) floh sie 1939 aus Deutschland und ließ sich in Venezuela nieder, wo sie in den 1940er-Jahren als Architektin und Möbeldesignerin tätig war. 1956 entstanden in Caracas ihre ersten dreidimensionalen Arbeiten. Zwischen 1959 und 1967 reiste sie mehrmals in die Vereinigten Staaten, arbeitete dort in verschiedenen Werkstätten (u.a. Treitel-Gratz Metallatelier, New York) und experimentierte mit Lithografie und anderen Medien. Ihre Aquarelle, Rauminstallationen, Stiche und Papierwebereien – mit der Linie als Grundelement – belegen ihre Erforschung von Struktur, Raum, Transparenz und Interaktion mit dem Betrachter. Während die Werke aus den Jahren 1957 bis 1969 vor allem auf gleichmäßig entfernten, parallelen Linien basierten, bestehen ihre Reticuláreas (Netzwerke), Troncos (Rumpfe) und Esferas (Kugeln) aus sich kreuzenden Linien, die netzartige Strukturen ergeben. Ab 1976 löste sie sich in der Serie Dibujos sin Papel (Zeichnungen ohne Papier) und Bichitos (Kleine Käfer) von vorgefassten Konzepten. 1958 bis 1977 war Gego vor allem in der Lehre tätig. 1979 wurde sie mit dem Premio Nacional de Artes Plásticas de Venezuela ausgezeichnet.