Joseph Beuys

Verstrahlter Hangar

Beuys Verstrahlter Hanger Museum Moyland 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Stiftung Museum Schloss Moyland/Joseph Beuys Archiv. Photo: Walter Klein
  • Joseph Beuys
  • Verstrahlter Hangar
  • 1962
  • Polystyrol, Holz, Tierhaare und Öl
  • 19,5 x 47,7 x 45,8 cm
  • Museum Schloss Moyland, Sammlung van der Grinten Bedburg-Hau/Kreis Kleve, MSM 02289 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Stiftung Museum Schloss Moyland/Joseph Beuys Archiv. Photo: Walter Klein

Joseph Beuys war einer der einflussreichsten und umstrittensten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Oft integrierte er anspielungsreiche Objekte in seine Performances und Installationen und scheute sich nicht, seinen holistischen Kunstbegriff auf gesellschaftliche und politische Bereiche auszudehnen. Beuys’ Verstrahlter Hangar (1962) stellt einen Kontrapunkt dar zu den früheren Erkundungen organischer, sich zersetzender Materialien wie Filz oder Fett – beides Metaphern für den menschlichen Körper. Diesmal stellt der Künstler nicht biologisch abbaubares Polystyrol auf eine hölzerne Grundplatte, um die Unvereinbarkeit von menschengemachtem Abfall und natürlicher Umgebung zu betonen.

Der Begriff der »Verstrahlung« assoziiert sowohl den Fallout nach einem Atomschlag als auch die Problematik der Entsorgung radioaktiver Abfälle aus Kernkraftwerken. Die blutrote Farbe, mit der das Polystyrol überzogen ist, könnte somit eine Landschaft im Prozess der Verseuchung und allmählichen Zersetzung symbolisieren – eine Entwicklung, die durch den im Werktitel erwähnten Hangar "eingedämmt" werden muss.

Verstrahlter Hangar lässt sich als Beginn von Beuys’ lebenslangem Engagement für Umweltschutz und Abrüstung betrachten. Später beteiligte er sich an der Gründung der Partei Die Grünen und produzierte das Musikvideo Sonnen statt Reagan, in dem er selbst singt: "Doch wir wollen: Sonne statt Reagan, ohne Rüstung leben! Ob West, ob Ost, auf Raketen muß Rost!"

Damian Lentini

Biografie von Joseph Beuys

  • Geboren 1921 in Krefeld, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 1986 in Düsseldorf, Deutschland

Joseph Beuys gehört zu den einflussreichsten und umstrittensten Künstlern Nachkriegsdeutschlands. Von 1946 bis 1954 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei. 1953 hatte er seine ersten Einzelausstellungen in Kranenburg und im Von der Heydt-Museum in Wuppertal, 1958 setzte er zum ersten Mal Fett und Filz ein – Materialien, um die er eine biografische Legende strickte: Nach einem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg – Beuys hatte sich freiwillig zur Luftwaffe gemeldet – sei er von Tataren gerettet worden, die ihn zum Schutz vor der Kälte mit Fett gesalbt und mit Filz gewärmt hätten. In seinen Installationen und Aktionen (z.B. Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, 1965) verwendete er oft sinnträchtige Objekte und Materialien, die mit seiner Rettung und seinem Selbstverständnis als Schamane in Zusammenhang standen. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf (1961–1972) setzte er sich dafür ein, dass jeder, der es wollte, freien Zugang zum Kunststudium erhielt. Beuys entwickelte einen „erweiterten Kunstbegriff“ („Jeder Mensch ist ein Künstler“), der auch sozialpolitisch Früchte tragen sollte. Zwischen 1964 und 1989 nahm er an jeder documenta teil. 1971 zeigte er im Moderna Museet in Stockholm Zeichnungen und Objekte. Die erste Retrospektive seines Werks war 1979 im Guggenheim Museum in New York zu sehen.