John Latham

Untitled (Roller Painting) (Ohne Titel [Rollengemälde])

Latham Untitled Roller Painting Lisson Gallery 3 1500
  • John Latham
  • Untitled (Roller Painting) (Ohne Titel [Rollengemälde])
  • 1964
  • Sprühfarbe auf weißem Segelleinen
  • 318 x 268 cm
  • Courtesy the Artist and Lisson Gallery

John Lathams Werke setzen sich oft mit Büchern auseinander. Zwischen 1964 und 1968 inszenierte Latham rituelle Bücherverbrennungen von Bücherhaufen, diesen symbolischen Kapseln von Ideologien und von Wissen, in einer Werkreihe mit dem Titel Skoob (ein Anagramm von »books«). Damals experimentierte der Künstler, der sich stets für Fragen der Kosmologie, der Zeit und des Raums interessierte, mit Sprühfarbe, um den Lauf der Zeit festzuhalten. Untitled (Roller Painting) (1964) verweist durch seine automatische Bewegung auf den Stillstand des gemalten Bildes. Latham verwendete hier (ebenso wie bei Belief System) eine Spritzpistole. Die dichteren Farbbereiche deuten auf eine intensivere Sprühphase hin – der Künstler befasste sich in diesem Werk also auch mit dem zeitlichen Aspekt der Bildproduktion.

Gemma Sharpe

Biografie von John Latham

  • Geboren 1921 in Livingstone, Nordrhodesien (heute Sambia)
  • Gestorben 2006 in London, Vereinigtes Königreich

Der rhodesisch-britische Künstler John Latham studierte in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre an der Chelsea Art School in London. Er ist als Konzeptkünstler am bekanntesten, widmete sich aber auch der Bildhauerei, der Malerei (mit Sprühfarbe) sowie der Video- und Filmkunst. 

Latham entwickelte eine eigene Philosophie der Zeit und unterzog die religiösen und akademischen Wissenssysteme einer kritischen Prüfung. 1958 begann er aus zerrissenen, teilweise verbrannten, übermalten oder anderweitig beschädigten Büchern Assemblagen zu fertigen. 

Sein Skoob-Projekt (von „Books“, rückwärts buchstabiert) – eine Aktion an der Saint Martins School of Art, wo er als Dozent tätig war – machte ihn 1966 schlagartig bekannt: Er lud seine Studenten zur Teilnahme an einer Art rituellen Zeremonie ein, die darin bestand, einzelne Seiten des von dem Kunstkritiker Clement Greenberg verfassten Buchs Art and Culture zu kauen und wieder auszuspucken. Die Überreste füllte er dann in ein Fläschchen und stellte sie zurück in die Bibliothek. 1966 gründete Latham mit seiner Frau Barbara Stevini die Artist Placement Group.