Fateh Al-Moudarres

Untitled (Ohne Titel)

Al Moudarres Untitled Mathaf 1500
  • Fateh Al-Moudarres
  • Untitled (Ohne Titel)
  • 1962
  • Mischtechnik auf Leinwand
  • 69,8 x 99,7 cm
  • QM/QF - Mathaf: Arab Museum of Modern Art, Doha - Qatar

Im Jahr 1962, als Fateh Al-Moudarres dieses Bild ohne Titel gemalt hatte, begann er, den surrealistischen Automatismus als unwillkürliche Malmethode auszuprobieren und übertrug die Technik des Cadavre Exquis (köstliche Leiche) auf die Malerei. Dieses Verfahren war ursprünglich eine Gruppenaufgabe, bei der jeder Künstler abwechselnd einen Teil an einer Figur zeichnete, ohne sie als Ganzes sehen zu können. Mit dieser dissoziativen Methode sollte an das surrealistische Paradigma der intuitiven Kreativität angeknüpft werden, die sich rationaler Einsicht entzieht. Auf ähnliche Weise wollte sich Al-Moudarres den Bedingungen des Menschseins durch das Bildliche nähern, von dem er glaubte, dass es dem geschriebenen oder gesprochenen Wort und selbst der Kunst vollendeter Dichter überlegen sei.

Dieses Bild zeigt eine Versammlung säulenförmiger Figuren, deren Gesichter zwischen sich überlappenden Flecken in gedämpften Farben auftauchen. Blockartige Hände unterbrechen die zylindrischen Formen und akzentuieren den Eindruck der gepressten, an die Bildfläche gedrückten Körper, auf der sie antreten, um ihre Zuschauer zu treffen. Sie blicken nicht herausfordernd über den Bildrand, sondern eindringlich und auf eine melancholische Weise, die vielen Arbeiten von Al-Moudarres eigen ist. Diese Figuren sind besorgte Wesen, Eltern, die ihre Kinder umklammert halten, die allesamt in der gespenstischen Szene verschwimmen. Auf der großen Hand im Vordergrund ist ein roter Kreis zu sehen, der an ein Wundmal erinnert. Die symbolischen Andeutungen sprechen Bände. Es heißt, die Faszination des Künstlers an der eingeengten und ausdrucksstarken menschlichen Gestalt sei eine Folge der beklemmenden Enge und der Arbeitsbedingungen in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Tiffany Floyd

Biografie von Fateh Al-Moudarres

  • Geboren 1922 in Aleppo, Syrien
  • Gestorben 1999 in Aleppo, Syrien

Fateh Al-Moudarres gilt als Vorreiter der modernen Kunst in Syrien. Für seine frühen, realistischen Gemälde ließ er sich von der Kultur seiner Heimat inspirieren, etwa der christlichen und muslimischen Ikonografie und der assyrischen Altertümer. Von 1954 bis 1960 studierte er an der Accademia di Belle Arti in Rom. Während dieser Zeit unterlag er dem Einfluss moderner Kunstströmungen, insbesondere des Surrealismus, und begann seine Gemälde, in denen er traditionelle Elemente der syrischen Kunst mit westlichen Techniken und Stilmitteln verschmolz, zu abstrahieren.
Nach seiner Rückkehr nach Syrien wurde sein Werk zunehmend politisch. 1967 wandte er sich von der ungegenständlichen Malerei ab, um sich gesellschaftlichen Themen zu widmen.
So kritisierte er die sozialen Umwälzungen, die das moderne Leben in Syrien mit sich brachte. In besonderem Maße setzte er sich mit der Agrarkrise auseinander, die sich verheerend auf Syriens Landbevölkerung auswirkte und ihn selbst in den 1960er-Jahren zum Umzug nach Damaskus zwang.
In den 1970er-Jahren besuchte Al-Moudarres drei Jahre lang die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris. Während seiner anschließenden Lehrtätigkeit an der Universität von Damaskus beeinflusste er viele angehende Künstler. Mit satten, pastos aufgetragenen Farben und melancholischem Gestus schilderte er die Alltagsprobleme ganz normaler Menschen.