Beauford Delaney

Untitled (Ohne Titel)

Delaney Untitled Michael Rosenfeld Gallery 1500 - © Estate of Beauford Delaney, Courtesy of Michael Rosenfeld Gallery LLC, New York, NY
  • Beauford Delaney
  • Untitled (Ohne Titel)
  • c. 1958
  • Öl auf Leinwand
  • 76,2 x 63,5 cm
  • Courtesy Michael Rosenfeld Gallery, LLC, New York - © Estate of Beauford Delaney, Courtesy of Michael Rosenfeld Gallery LLC, New York, NY

Der dicke pastose Farbauftrag von Beauford Delaneys Ohne Titel (ca. 1958) stellt eine Weiterentwicklung des Vokabulars seiner gegenständlichen Kunst der früheren Jahrzehnte dar. Der Umzug des Künstlers von New York City nach Paris 1953 führte zu einer entsprechenden Veränderung seiner künstlerischen Praxis, die in diesem Gemälde deutlich in dem umherwirbelnden, abstrakten Farbfeld zum Ausdruck kommt. Seine früheren Bildnisse und Gruppenporträts waren von strukturierten Pinselstrichen in intensiven, satten Farben umrahmt. Hier nun wurden figürliche und gegenständliche Inhalte durch die angedeutete Bewegung in der Farbe selbst ersetzt, die zum wichtigsten Ausdrucksmedium des Werkes wird. Von ihrer Nebenrolle entbunden, bewegen sich die freien Pinselstriche über die Leinwand und verweigern sich jeder eindeutigen Kompositionsregel.

Die Arbeit in Paris ermöglichte es Delaney wie vielen anderen afroamerikanischen Künstlern, auf kritischen Abstand zur New Yorker Kunstszene zu gehen. Delaneys Werke, mit denen er sich während seiner gesamten Laufbahn einer Kategorisierung entzog, sind durch eine idiosynkratische Mischung verschiedener Einflüssen geprägt. Ohne Titel steht für den in Delaneys eigenem Stil und künstlerischem Lexikon interpretierten Schnittpunkt von amerikanischem Abstraktem Expressionismus und europäischem Tachismus. Der rhythmische Charakter und die lyrische Bewegung der Farbe verdanken sich nicht zuletzt der Liebe des Künstlers zum Jazz und stellen einen einzigartigen Beitrag zur Abstraktion der Jahrhundertmitte dar.

Caroline Wallace

Biografie von Beauford Delaney

  • Geboren 1901 in Knoxville, Tennessee, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1979 in Paris, Frankreich

Beauford Delaney, eine Schlüsselfigur der Harlem Renaissance, nahm zunächst Malunterricht bei Lloyd Branson (1853–1925) in Knoxville, ehe er 1924 in Boston mit dem Kunststudium begann. 1929 zog er nach New York, wo er, wie andere afroamerikanische Maler, den von Charles Alston (1907–1977) geleiteten Harlem Art Workshop in der 306 West 141st Street besuchte. Doch als Homosexueller unterhielt Delaney auch ein Atelier im Schwulenviertel Greenwich Village, genauer: in der Greene Street.

Ende der 1940er-Jahre stellte er vor allem seine unmittelbare Umgebung dar. Bekannt wurde er mit seinen Porträts prominenter Afroamerikaner wie z.B. Duke Ellingtons. 1930 wurden einige dieser Porträts in den Whitney Museum Studio Galleries in New York gezeigt. Während seiner New Yorker Zeit fand Delaney in den Schriftstellern Henry Miller (1981–1980) und James Baldwin (1924–1987) Freunde fürs Leben. 1953 folgte er Baldwin nach Paris, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Trotz einer psychischen Erkrankung fuhr er mit seiner Arbeit fort und stellte weiter aus. Statt repräsentativer Porträts in Pastell und Straßenszenen schuf er nun vollständig abstrakte Gemälde in expressionistischer Manier. Mit ihren stets pastos aufgetragenen leuchtenden Farben erinneren Delaneys Gemälde in technischer Hinsicht an die Werke der Fauves und van Goghs. Kurz vor seinem Tod widmete ihm das Studio Museum in Harlem seine erste Retrospektive.