Lee Bontecou

Untitled (Ohne Titel)

Bontecou Untitled Mfa Houston 1500 - © 2016 Lee Bontecou. Museum of Fine Arts, Houston, Texas, USA / Museum purchase funded by D. and J. de Menil / Bridgeman Images
  • Lee Bontecou
  • Untitled (Ohne Titel)
  • 1962
  • Geschweißter Stahl, Epoxidharz, Leinwand, Gewebe, Sägeblatt, Draht
  • 172,7 x 182,9 x 76,2 cm
  • The Museum of Fine Arts, Houston, Gift of D. and J. de Menil 62.45 - © 2016 Lee Bontecou. Museum of Fine Arts, Houston, Texas, USA / Museum purchase funded by D. and J. de Menil / Bridgeman Images

In den späten 1950er- und ’60er-Jahren schuf Lee Bontecou großformatige Skulpturen aus Stoff und Metall, die organische und mechanische Formen zu immersiven, ja schwindelerregenden Werken vereinten, die häufig dreidimensional in den Raum des Betrachters hineinragen. Sie zählt zu einer relativ kleinen Zahl von Frauen, die in dieser Zeit breite Anerkennung als Künstler erfuhren, und einer noch kleineren Gruppe von Frauen, die großformatige Skulpturen schufen. Man hat ihre Werke aus dieser Zeit mit denjenigen kubistischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, doch in Bontecous Werk entwickeln sich monochrome, rußige Paletten und fragmentierte Räume zu dreidimensionalen Formen.

Bei der Herstellung von Ohne Titel (1962) klebte Bontecou Leinwand und andere Stoffe an einen Rahmen aus geschweißtem Stahl oder befestigte sie mit Draht daran. Die so entstandenen kreisförmigen Gebilde kragen vor und weichen um einen tiefen, in ihrer Mitte befindlichen Hohlraum zurück, wobei sie entweder an Industrieformen wie Düsentriebwerke und Gasmasken im Zweiten Weltkrieg denken lassen, oder an Körperformen mit zahlreichen Nähten in der Haut. Einigen Deutungen zufolge sind Bontecous Werke geschlechtsspezifisch und spielen auf weibliche Genitalien und den Geburtskanal an. Die Künstlerin selbst hat derartige Deutungen entschieden abgelehnt und verbindet die Hohlräume in ihren Skulpturen mit dem Geheimnisvollen, dem Unbekannten und dem Erhabenen. In einem Text von 1963 erläuterte sie ihre Absicht, "Dinge herzustellen, die unsere Beziehung zu diesem Land, zu anderen Ländern, zu dieser Welt, zu anderen Welten in Bezug auf mich selbst zum Ausdruck bringen. Einen flüchtigen Blick auf die Furcht, Hoffnung, Hässlichkeit, Schönheit und das Geheimnis zu werfen, die es in uns allen gibt und die über all den jungen Leuten heute schwebt."

Amy Rahn

Biografie von Lee Bontecou

  • Geboren 1931 in Providence, Rhode Island, Vereinigte Staaten

Lee Bontecou studierte von 1952 bis 1955 an der Art Students League in New York. 1954 besuchte sie die Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine und lernte zu schweißen. 1957 ging sie mit einem Fulbright-Stipendium nach Italien und verwendete erstmals Ruß in ihren Zeichnungen.

Nach ihrer Rückkehr nach New York im Jahr 1958 experimentierte sie mit kleinformatigen skulpturalen Assemblagen, die an die Wand montiert wurden, und entwickelte schnell ihre unverkennbare Handschrift und Technik, indem sie Stoff auf Stahlfragmenten befestigte, die spiralförmig um darin klaffende dunkle Löcher angeordnet waren. Diese Arbeiten wecken Assoziationen an technologische, mechanische, geologische und biologische Motive.

1960 hatte Bontecou ihre erste Einzelausstellung in der Castelli Gallery in New York. Im Jahr darauf nahm sie an der Ausstellung The Art of Assemblage im Museum of Modern Art in New York teil. Ihr früher Erfolg führte in den 1970er-Jahren zu ihrem Rückzug aus der Öffentlichkeit. Von 1971 bis 1991 lehrte sie am Brooklyn College und arbeitete an einer neuen Serie – großen mobileähnlichen Skulpturen, die von der Decke hingen. Zusammen mit ihren früheren vakuumgeformten Plastikskulpturen von Pflanzen und Meeresorganismen stehen diese „Galaxien“ aus Draht und Keramik für einen völlig neuen Ansatz in ihrem Œuvre.