Ad Reinhardt

Untitled (Composition #104) (Ohne Titel [Komposition #104])

Reinhardt Untitled Composition 104 Brooklyn Museum 1000 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Ad Reinhardt
  • Untitled (Composition #104) (Ohne Titel [Komposition #104])
  • 1954‒60
  • Öl auf Leinwand
  • 274,6 x 101,6 cm
  • Brooklyn Museum, New York. Gift of the Artist, 67.59 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Ad Reinhardt, ein höchst produktiver und intellektueller Künstler, akzeptierte bereitwillig die „geheimnisvollen Freuden mannigfaltiger Bedeutungen“ und bezog den Betrachter in seine anhaltende Befragung der Grenzen und Möglichkeiten der Malerei ein. Er war aber auch in vielen anderen Medien tätig, von der Malerei und Collage bis zur Karikatur und Fotografie, und zu jedem von ihnen steuerte er dem ihm eigenen Scharfsinn und sein prägnantes Verständnis der modernen Kunst bei.

Untitled (Composition #104) (1954‒1960) ist Teil von Reinhardts Serie der „schwarzen Gemälde“, in der er äußerst akribisch auf subtile Weise modulierte Oberflächen mit dunkler, grauschwarzer Farbe bemalte, die die Zeit und Aufmerksamkeit des Betrachters zu verlagern scheinen. Bevor er seine schwarzen Gemälde schuf, hatte Reinhardt eine Serie monochromer Gemälde (in Rot, Blau und Weiß) gemacht, um dem entgegenzutreten, was er als das zunehmend vorherrschende Klischee der gestischen Malerei empfand. Er verbrachte viele Jahre damit, die materiellen Mittel für die Herstellung seiner schwarzen Gemälde zu perfektionieren, indem er nach dem intensiven, dunklen Grau suchte, das Betrachtern die gewünschte optische Erfahrung bieten würde. Zu der Zeit, als Reinhardt an Untitled (Composition #104) arbeitete, bediente er sich einer simplifizierten Geometrie und eines auf einzigartige Weise destillierten dunkelgrau-schwarzen Pigments, um Gemälde zu schaffen, die die Illusion des Gestisch-Malerischen beseitigten und dem wirklich aufmerksamen Betrachter eine ganz individuelle Erfahrung zu ermöglichen. Diese Erfahrung konnte transzendent oder nihilistisch sein, sich in die Grenzen der Malerei schicken oder an ihre Tiefen anpassen.

Amy Rahn

Biografie von Ad Reinhardt

  • Geboren 1913 in Buffalo, New York, Vereinigte Staaten
  • Gestorben 1967 in New York, New York, Vereinigte Staaten

Ad Reinhardt, Sohn russischer und deutscher Immigranten, ging 1931 nach New York. Mit einem Vollstipendium studierte er Kunstgeschichte an der Columbia University (1931–1935); anschließend besuchte er die American Artists School und die National Academy of Design. 

Von 1936 bis 1940 arbeitete er für das Federal Art Project der Works Progress Administration, und von 1937 bis 1947 war er Mitglied der American Abstract Artists (AAA). Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg unterbrach er Arbeit und Studium. Von 1944 bis 1945 diente er in der Navy. 

Nach dem Krieg besuchte er das Institute of Fine Arts an der New York University. Reinhardt war nicht nur Maler, sondern auch ein einflussreicher Kunstkritiker und -theoretiker, überdies ein talentierter Karikaturist, der viele provokante Cartoons und Illustrationen schuf. 

Ab Ende der 1940er-Jahre unterrichtete er an verschiedenen US-amerikanischen Colleges und Universitäten. Berühmt wurde er mit seinen Black Paintings, die er 1955 zum ersten Mal ausstellte. Nach einer Experimentierphase in den 1930er- und 1940er-Jahren hatte er begonnen, seine Bildmittel (Formen, Farben, Gestik und Ausdruck) mehr und mehr zu reduzieren. 

Es entstanden aus Farbfeldern komponierte monochrome Gemälde in Blau und Rot – und in letzter Konsequenz schließlich in Schwarz. Letztere sind in lineare Felder aus grün, rot oder blau schimmernden Schwarztönen gegliedert.