Eva Hesse

Untitled

Hesse No Title Study For Or After Legs Of A Walking Ball Museum Wiesbaden Frei - © 2016 The Estate of Eva Hesse. Galerie Hauser & Wirth, Zurich. Photo: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert
  • Eva Hesse
  • Untitled
  • 1965
  • ink and gouache on paper
  • 29,2 × 41,9 cm
  • Museum Wiesbaden - © 2016 The Estate of Eva Hesse. Galerie Hauser & Wirth, Zurich. Photo: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

Während ihres einjährigen Aufenthalts in Kettwig an der Ruhr im Jahr 1965 schuf Eva Hesse eine Reihe mechanischer Zeichnungen. Als Vorlage dafür diente ihr die riesige, im Abbruch befindliche Tuchfabrik, in der sie mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer Tom Doyle, ein gemeinsames Atelier eingerichtet hatte. Umgeben von kaputten Maschinen, zeichnete Hesse mechanische, suggestive Formen in Tusche und Farbstift – auf der Suche nach ihrer künstlerischen Stimme.

In den beiden vorliegenden Studien sind menschliche Organe und Maschinenteile in einer ebenso fantastischen wie luziden Schemazeichnung vereint. Die sorgfältig gezeichneten Maschinenelemente erinnern an Phalli, Gelenke und Eingeweide. Blaue, rote und gelbe Farbakzente wirken belebend und lassen die Grenze zwischen Körper und Maschine, Zeichnung und Diagramm verschwimmen. Zwar weisen diese Studien deutlich mehr Details auf als das nach ihnen gestaltete skulpturale Relief, doch bleibt die ovale Form erhalten. In der Zeit, als Hesse diese Studien anfertigte, schrieb sie an Sol LeWitt (1928–2007) über ihre Zweifel als Künstlerin sowie über ihre Zeichnungen, die sie als „sauber, klar, aber verrückt wie Maschinen […], wahrer Unsinn bezeichnete. Seine Antwort lautete: „Mach mehr. Mehr unsinnig, mehr verrückt, mehr Maschinen, mehr Brüste, Penisse, Fotzen, was auch immer – lass sie vor Unsinn strotzen. Versuche etwas in dir hervorzukitzeln, deinen ,schrägen Humor‘. […] Denk nicht an cool, mach dein eigenes uncool. Mach […] deine eigene Welt.“ Hesse setzte die Serie fort und schuf dreidimensionale Werke aus den Maschinenresten, die sie in der Fabrik vorfand. Das Jahr in Kettwig sollte ihr entscheidende Impulse geben: Ihr weiteres künstlerisches Schaffen war geprägt von einem unverwechselbaren Mosaik aus „schrägem Humor“ und „wahrem Unsinn“.

Amy Rahn

Biografie von Eva Hesse

  • Geboren 1936 in Hamburg, Deutschland
  • Gestorben 1970 in New York, New York, Vereinigte Staaten

Eva Hesse ist vor allem für ihre post-minimalistischen Skulpturen aus synthetischen Materialien wie Latex, Glasfaser und Plastik bekannt. 1939 floh sie mit ihrer Familie vor den Nazis aus Deutschland nach New York. Dort studierte sie 1952 an der School of Industrial Art und wechselte von dort über das Brooklyn’s Pratt Institute und die Art Students League in New York (1953) an die Cooper Union (1954). Dem folgte ein Abschluss an der School of Art der Yale University im Jahr 1959 und eine Tätigkeit als Textildesignerin in New York. In den frühen 1960er-Jahren entstanden vor allem Zeichnungen, die 1961 erstmals ausgestellt wurden. Die erste Einzelausstellung fand 1963 in der Allan Stone Gallery in New York statt. 1964 arbeitete Hesse für den Textilfabrikanten Friedrich Arnhard Scheidt in Deutschland. In dieser Zeit bereiste sie Europa, experimentierte mit verschiedenen Materialien und begann erstmals reliefartige Arbeiten und Skulpturen anzufertigen. Nach der Rückkehr nach New York schuf sie ihre erste freistehende Skulptur aus synthetischem Material. 1968 erzielte sie mit ihrer Ausstellung Chain Polymers in der Fischbach Gallery in New York größere Aufmerksamkeit. Im Jahr darauf war sie an der Ausstellung Live in Your Head – When Attitudes Become Form in der Kunsthalle Bern beteiligt.