Günther Uecker

TV

Uecker Tv Collection Of The Artist 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Günther Uecker
  • TV
  • 1963
  • Fernseher, Tisch, Nägel
  • 118 × 80 × 80 cm
  • Private Lender - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Günther Uecker, Mitglied der antiexpressionistischen Künstlergruppe ZERO, gehörte zu jenen Künstlern, die die Macht der Massenmedien als gefährlich und zerstörerisch erachteten. Er ist bekannt dafür, Nägel in Bilder und Objekte zu schlagen, woraus sich zarte, malerisch strukturierte Licht- und Schattenspiele ergeben. In TV (1963) dreht Uecker den Spieß um: Die von ihm als negativ empfundene Energie der Telekommunikation wendet er gegen die Technik selbst, indem er Hunderte von Nägeln in das Gehäuse des Fernsehers einschlägt. Hier geht es nicht nur darum, das Programm zu unterbrechen – der Künstler will das Gerät seiner Funktion komplett berauben. 

Uecker begreift das Fernsehen als Massenmedium und erkennt dessen Potenzial als machtvolles Instrument globaler Kommunikation. Angesichts der Tatsache, dass der Zuschauer durch das Fernsehen in einen passiven, beinahe traumartigen Zustand versetzt wird, dämonisiert Uecker dessen äußere Erscheinung und präsentiert es in TV als Werkzeug des Teufels. Ueckers Gewohnheit, Nägel in Objekte zu schlagen, erinnert an die eindrucksvollen, nkondi genannten Nagelfetische aus dem Kongo: Auch hier werden Nägel in eine Holzfigur getrieben, um gegen einen Feind oder Übeltäter vorzugehen.

Petronela Soltész

Biografie von Günther Uecker

  • Geboren 1930 in Wendorf, Deutschland (damals Deutsches Reich)

Günther Uecker studierte von 1949 bis 1953 Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, wo er vom Sozialistischen Realismus beeinflusst wurde. 

1955 setzte er sein Studium bei dem expressionistischen Grafiker Otto Pankok (1893–1966) an der Kunstakademie Düsseldorf fort. In Düsseldorf gab es eine lebendige, aufstrebende Kunstszene, in die er eintauchte. 

Auch begann er sich für die Philosophie des Buddhismus und Taoismus zu interessieren. 1957 entstanden aus der Verbindung von buddhistischer Meditation und kreativem Prozess seine ersten Nagelbilder – ein Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Das Ritual des Hämmerns und die reduzierten abstrakten Schattenmuster, die die Nägel auf die Leinwand warfen, beschäftigten ihn. 

1960 begann er kinetische Elemente, etwa Maschinen, in seine Werke einzubinden. Am 24. April 1958 nahm er an der von Heinz Mack (* 1931) und Otto Piene (1928–2014) organisierten Abendausstellung Das Rote Bild teil, mit der die ZERO offiziell gegründet wurde. 

Er selbst trat ZERO aber erst 1961 bei. 1968 stellte Uecker auf der documenta, 1970 auf der Biennale von Venedig aus. Nach der Auflösung von ZERO 1966 wandte er sich der Konzeptkunst zu und entwarf Bühnenbilder.