Fyodor Shurpin

The Morning of Our Motherland (Der Morgen unseres Vaterlandes)

Shurpin The Morning Of Our Motherland State Tretyakov Gallery 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. The State Tretyakov Gallery, Moscow
  • Fyodor Shurpin
  • The Morning of Our Motherland (Der Morgen unseres Vaterlandes)
  • 1948
  • Öl auf Leinwand
  • 166 x 232 cm
  • - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. The State Tretyakov Gallery, Moscow

Als Fjodor Schurpin sein Gemälde The Morning of Our Motherland (1948) vollendet hatte, waren die Kritiker verzückt, und er erhielt prompt den Stalinpreis, damals die höchste Auszeichnung für Künstler in der Sowjetunion. Dieses Gemälde veranschaulicht beispielhaft, was man unter »Persönlichkeitskult« versteht, bei dem die Ideale und Ziele der Kommunistischen Partei symbolisch mit der Figur Joseph Stalins verschmolzen wurden. Dieser sogenannte Kult ging mit einer Unmenge verklärender, ideologiegetränkter Bilder des Parteiführers einher, welche die Form von gemalten Idealporträts, massenhaft produzierten Grafiken und von Skulpturen zur täglichen Erbauung der Öffentlichkeit annahmen.

The Morning of Our Motherland zeigt einen reifen, distinguierten, von den Prüfungen des Krieges gezeichneten Stalin mit ergrautem Haar. Er steht bei Tagesanbruch im Licht der Sonne auf einem Feld, trägt eine prachtvolle weiße Uniform und hat seinen Mantel lässig über einen Arm drapiert. Die Landschaft, die sich hinter ihm erstreckt, bezeugt seine Errungenschaften: aus Fabrikschornsteinen steigt Rauch empor, Hochleitungsmasten führen Stromkabel über das Land, und Landwirtschaftsmaschinen mühen sich fleißig auf frisch gepflügten Äckern ab. Doch dieser Führer gibt sich nicht damit zufrieden, auf seine vergangenen Erfolge zurückzublicken. Sein Blick geht über den Bildrand hinaus in Richtung des Lichts der Morgensonne. Schurpins Bild feiert also nicht nur einfach Industrialisierung, Elektrifizierung und Kollektivierung, sondern spielt auch auf die sich fortsetzende Entwicklung des Landes an und verheißt dem sowjetischen Volk eine immer hellere Zukunft.

Daniel Milnes

Biografie von Fyodor Shurpin

  • Geboren 1904 in Kiryakinka (Provinz Smolensk), Russland
  • Gestorben 1972 in Moskau, Sowjetunion
Wie eine Reihe anderer Künstler seiner Generation hatte Fjodor Schurpin einen bäuerlichen Hintergrund, und das Landleben und Landschaften waren die dominierenden Themen in seinem OEuvre. Das Studium führte ihn von der in der Provinz Smolensk gelegenen Kleinstadt, in der er aufgewachsen war, nach Moskau, wo er von etwa 1922 bis 1930 an der avantgardistischen Kunsthochschule WChUTEMAS (später Wchutein) studierte. In der Periode des stalinistischen Sozialistischen Realismus nahm er regelmäßig an den offiziellen staatlichen Ausstellungen teil, wurde aber auch eingeladen, seine Arbeiten im Ausland zu präsentieren. 1948 wandte er sich dem offiziellen Porträt zu. Damals entstand sein Meisterwerk, Der Morgen unseres Vaterlandes, ein Porträt Josef Stalins, das ihn in seiner blendend weißen Uniform vor dem Hintergrund einer ländlichen Landschaft zeigt. Das Gemälde, das allgemein als das berühmteste Porträt des Diktators gilt, wurde sowohl von der Öffentlichkeit wie von der Kritik mit Beifall aufgenommen. 1949 wurde der Künstler dafür mit dem Stalin-Preis ausgezeichnet. 1954 wurde das Werk in China im Rahmen einer großen Ausstellung wirtschaftlicher und kultureller Errungenschaften der UdSSR präsentiert, die in Beijing in der Ausstellungshalle der Sowjetunion stattfand. 1969 initiierte Schurpin die Einrichtung einer Gemäldegalerie in der Provinstadt Schumjatschi (Provinz Smolensk), der er 50 seiner Werke schenkte.