Gazbia Sirry

The Fortune Teller (Die Wahrsagerin)

Sirry The Fortune Teller Collection Of The Artist 1500 - © Gazbia Sirry
  • Gazbia Sirry
  • The Fortune Teller (Die Wahrsagerin)
  • 1959
  • Öl auf Leinwand
  • 52 × 88 × 2 cm
  • Courtesy the Artist and Zamalek Art Gallery, Cairo - © Gazbia Sirry

Gazbia Sirry begann die 1950er-Jahre mit Porträts alltäglicher Ägypter, die sie mittels schwarzer, mit leuchtenden, gleichmäßigen Farben gefüllter Konturen darstellte. Mit gestischen Kratzern, die an die Stelle dicker Umrisslinien treten, und symbolischen Schatten, in denen die naturalistischen Farben versinken, steht The Fortune Teller (1959) für einen stilistischen Wandel hin zu zunehmend abstrakteren Bildern. Letztendlich wandten sich Sirrys Sujets nach innen und nahmen einen esoterischen Zug an. Man hat dies damit erklärt, dass die Künstlerin auch die gesellschaftspolitischen Erfahrungen der Ägypter außerhalb ihrer häuslichen Umgebung erkunden wollte. Sie verspürte eine zunehmende Desillusionierung angesichts der Tatsache, dass Dissidenten von der ägyptischen Regierung auf undemokratische Weise zum Schweigen gebracht wurden. 1959 wurden sowohl die Künstlerin als auch ihr Ehemann inhaftiert, weil sie sich angeblich an gegen das Establishment gerichteten Umtrieben beteiligt hatten. 

Wie viele arabische Künstler, die sich gegen autoritäre Regime auflehnen, brachte auch Sirry ihr Anklagen mittels der menschlichen Gestalt zum Ausdruck und bediente sich dieser zur Vermittlung transzendenter Botschaften. In The Fortune Teller flankieren zwei nackte Gestalten mit im Profil gegebenen Köpfen (eine männliche und ein weibliche) eine große zentrale Figur, die direkt links am Betrachter vorbei aus dem Bild schaut und auf eine beunruhigende Vorahnung verweist, die sich dem Blick des Betrachters entzieht. Ihr Gesicht ist in den Farben Gold und Blau gemalt, die bei den Sarkophagen antiker Könige verwendet wurden, doch deuten ihr runder Bauch und die prallen Brüste beginnendes Leben an. Im Gegensatz hierzu sind die Arme der schlammrot gehaltenen, männlichen Figur rechts über deren Brust verschränkt, eine traditionelle Bestattungspose, die auf den Tod verweist. Der Titel des Gemäldes mahnt den Betrachter, an das Bevorstehende zu denken; doch die Zukunft ist ungewiss, und dies unterstreicht nur die Ängste, die Sirrys Pinsel auf äußerst markante Weise zum Ausdruck bringt.

Tiffany Floyd

Biografie von Gazbia Sirry

  • Geboren 1925 in Kairo, Ägypten (damals Königreich Ägypten)

Gazbia Sirry ist eine überaus produktive Künstlerin, die während ihrer langen Laufbahn viele starke ägyptische Frauen malte. 1949 machte sie ihren Abschluss am Higher Institute for Arts Education for Women in Kairo und begab sich für weitere Studien nach Rom, Paris und London. 

In ihren Gemälden versuchte sie die Traditionen Ägyptens mit der europäischen Moderne zu verknüpfen. Nach dem Staatsstreich von 1952 stand sie unter dem Einfluss der sozialistischen Politik des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser. 

Sirry ging in ihrer künstlerischen Praxis immer wieder neue Wege und wagte stilistische Experimente. Ihr Frühwerk erscheint illustrativ und naiv; es folgte eine expressionistische Phase mit pastosem, kräftigem Farbauftrag, und nach dem Sechstagekrieg von 1967 wurden ihre Bilder abstrakt. 

Eine Ausstellung in der Brenken Galerie in Stockholm (1967) verschaffte ihr internationale Anerkennung. Sie beteiligte sich aktiv an der Kairoer Contemporary Art Group und war Professorin für Malerei an der Helwan-Universität und an der American University in Kairo. 

1952 wurde sie mit dem Prix de Rome für Malerei ausgezeichnet. Sie stellte viermal auf der Biennale von Venedig aus (1952, 1956, 1958 und 1984), zweimal auf der Biennale von São Paulo (1952, 1963) und dreimal auf der Biennale von Alexandria (1959, 1961 und 1963).