Rufino Arellanes Tamayo

Terror cósmico (Kosmischer Terror)

Tamayo Terror Cósmico Colección Museo Nacional De Arte Mexico City 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © D.R. Museo Nacional de Arte/Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura, 2016
  • Rufino Arellanes Tamayo
  • Terror cósmico (Kosmischer Terror)
  • 1947
  • Öl auf Leinwand
  • 106 x 76,2 cm
  • Colección/INBA/Museo Nacional de Arte, Mexico City - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © D.R. Museo Nacional de Arte/Instituto Nacional de Bellas Artes y Literatura, 2016

Rufino Tamayo war ein Gegner des Sozialistischen Realismus und seiner Konzentration auf den Klassenkampf und Nationalismus, zwei der die mexikanische Malerei in der Nachkriegszeit definierenden Merkmale. Nach dem Zweiten Weltkrieg thematisierte er die albtraumhafte Angst vor einem Leben in einer atomaren Welt, indem er gequälte und isolierte Charaktere schilderte – menschliche, tierische, oder eine Kombination aus beidem. Tamayos Interesse an der »reinen Malerei« und der figürlichen Abstraktion veranlassten ihn dazu, vielfältige Form- und Farbbeziehungen zu untersuchen, wobei er auf die Fülle künstlerischer Einflüsse zurückgriff, die er in Mexiko vorfand, darunter calaveras (Totenschädel), volkstümliche Masken und Darstellungen wilder Tiere.

Bei Terror cósmico (1947) schwebt eine durch sich überschneidende kubistische Flächen definierte Figur vor einem Sternbild, einem Halbmond und schattenhaften Formen. In den Abgrund hineinbrüllend, packt sie mit ihrer rechten Hand eine einzelne mysteriöse Kugel, während sich die linke in scharfen, sichelartigen Bewegungen zu öffnen und zu schließen scheint. Tamayos Geschöpf gebietet über die Werkzeuge der Zerstörung – eine ebenso ehrfurchtgebietende wie entsetzliche Vision. Diese Figur einer universellen Abstraktion beschwört den Kubismus, mexikanische Volkskunst sowie präkolumbianische Kunst herauf. Tamayo, der indianische Wurzeln hat und aus einer Zapoteken-Familie stammt, feierte so den Reichtum seiner indigenen Kultur. Er verbrachte den größten Teil der Nachkriegszeit in New York und betrachtete sich selbst als ebenbürtiges Mitglied in einem Zirkel internationaler Künstler.

Megan Hines

Biografie von Rufino Arellanes Tamayo

  • Geboren 1899 in Oaxaca, Mexiko
  • Gestorben 1991 in Mexiko-Stadt, Mexiko

Rufino Tamayo war ein figurativer Maler, dessen Werk vom Surrealismus beeinflusst ist. Nach dem Tod seiner Eltern 1911 zog er nach Mexiko-Stadt zu Verwandten, wo er später Zeichenunterricht nahm und die Kunstakademie (Academia de San Carlos) besuchte. 

Meist jedoch arbeitete er für sich allein. Mit 22 Jahren wurde er zum Leiter der Abteilung für Ethnografisches Zeichnen am Museo Nacional de Antropologia ernannt. Dort arbeitete er mit Objekten aus präkolumbianischer Zeit, die zur Inspirationsquelle für seinen frühen Stillleben und Porträts wurden. 

Mehrere Jahre lang lebte er in Europa und in den Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit adaptierte er die Stile moderner Künstler und wandte sie auf Themen der mexikanischen Volkskultur an. Ab 1932 schuf er im Auftrag des Palacio de Bellas Artes in Mexiko-City (1952–1953) und im Auftrag der UNESCO in Paris (1958) mehrere Wandgemälde. Anders als seine mexikanischen Künstlerkollegen bevorzugte Tamayo jedoch die Staffeleimalerei und trachtete nicht danach, seine Kunst zum Vehikel des politischen Wandels zu machen. 

1948 widmete ihm das Instituto Nacional de Bellas Artes in Mexiko-Stadt eine Retrospektive; 1950 nahm er an der Biennale von Venedig teil. Anfang der 1970er-Jahre erfand er zusammen mit Luis Remba die Mixografie, eine Reliefdrucktechnik.