Jean Fautrier

Sunset in Alabama (Sonnenuntergang in Alabama)

Fautrier Sunset In Alabama Musée D Art Moderne De La Ville De Paris 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Musée d'Art Moderne/Roger-Viollet
  • Jean Fautrier
  • Sunset in Alabama (Sonnenuntergang in Alabama)
  • 1957
  • Öl auf Papier auf Leinwand
  • 60 x 81 cm
  • Musée d´Art moderne de la Ville de Paris - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Musée d'Art Moderne/Roger-Viollet

Jean Fautriers Gemälde Sunset in Alabama (1957) ist ein Beispiel für die europäische Abstraktion und die informelle Kunst der Nachkriegszeit. Fautrier, der traditionelle Malweisen ablehnte, kombinierte mehrere Techniken miteinander. Hierzu zählten das Lavieren (wobei er die Farbe auf die Leinwand rieb) sowie die „haute pâte“ (hohe Paste), die er für die Herstellung seiner „tableaux à quatre côtés“ (Bilder mit vier Seiten) verwendete. Bei Sunset in Alabama (Sonnenuntergang in Alabama) trug er weiße, zähflüssige Farbe (Impasto) auf das Papier auf, zerdrückte sie mit einem Malmesser und formte daraus ein mehr oder weniger rechteckiges Feld. Anschließend streute er über das schrundige, zerfurchte Impasto puderförmige blaue und rosarote Farbe und schuf so sechs breite Streifen. Durch die Gestaltung der groben Oberfläche und die mit raschen Pinselstrichen aufgetragenen blauen und roten Pigmente widersetzte sich Fautrier einer rein geometrischen Komposition. Infolgedessen ist dieses Gemälde höchst suggestiv und lädt den Betrachter ein, in seiner horizontalen Anlage eine Landschaft mit einem blauen Himmel und einem intensiv leuchtenden Sonnenuntergang über einem hellen Meer oder Grasland zu erkennen. Obwohl der Titel des Werks auf eine Landschaft im Südosten der Vereinigten Staaten zu verweisen scheint, bleiben dessen kompaktes Impasto und die groben Zufallsformen selbstbezüglich und daher gegenstandslos.

Petronela Soltész

Biografie von Jean Fautrier

  • Geboren 1898 in Paris, Frankreich
  • Gestorben 1964 in Châtenay-Malabry, Frankreich

Der Maler, Druckgrafiker und Bildhauer Jean Fautrier ist vor allem für seinen Beitrag zum Tachismus bekannt, einem nichtgeometrischen abstrakten Stil, der auf spontanen Pinselstrichen, getropfter Farbe und gekritzelten Markierungen beruht. 

Fautrier wuchs bis 1908 bei seinem Vater und seiner Großmutter in Paris auf und zog dann mit seiner Mutter nach London. Er begann dort 1912 eine künstlerische Ausbildung an der Royal Academy of Arts und wechselte für kurze Zeit an die Slade School of Fine Art, die für eine unkonventionellere, experimentellere Kunstpraxis stand. Er begann auch, in Londoner Galerien und Museen zu malen, insbesondere nach Werken des frühromantischen Landschaftsmalers J. M. W. Turner (1775–1851). 1917 kehrte er nach Frankreich zurück, um in der französischen Armee zu dienen. 

In den 1930er-Jahren durchlebte Fautrier eine künstlerische und ökonomische Krise, arbeitete als Skilehrer und leitete von 1934 bis 1939 einen Jazzclub in den französischen Alpen. In dieser Zeit entstanden nur wenige Bilder. Während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit illustrierte er Bücher von Georges Bataille (1897–1962) und Paul Éluard (1895–1952). 1943 wurde er vorübergehend von der Gestapo inhaftiert; danach lebte er im Untergrund, wo er seine Serie der Otages (Geiseln) vollendete, die ihm die Anerkennung der Kritik einbrachte. Das Musée d’Art moderne de la Ville de Paris zeigte 1989 eine Retrospektive von Fautriers Werk.