Erhabor Emokpae

Struggle Between Life and Death (Kampf zwischen Leben und Tod)

Emokpae Struggle Between Life And Death  Collection Afolabi Kofo Abayomi 1500
  • Erhabor Emokpae
  • Struggle Between Life and Death (Kampf zwischen Leben und Tod)
  • 1963
  • Öl auf Holztafel
  • 61 x 122 cm
  • Privatsammlung. Foto: Anthony Nsofor. Courtesy Chika Okeke-Agulu

Erhabor Emokpae, der sich unter Nigerias konservativer Bevölkerung keiner großen Beliebtheit erfreute, schuf großformatige Kunstwerke, die mit Farbgebung experimentieren und seine Ausbildung als Grafikdesigner verraten. Im gerade unabhängig gewordenen Nigeria schockierte er die Kunstszene von Lagos mit dieser symmetrischen, modernistischen Komposition aus markanten geometrischen Formen. Struggle Between Life and Death (1963) präsentiert in einem einfachen zweifarbigen Bild sowohl helle als auch dunkle Elemente in unterschiedlichen Farbtönen. Die reliefartigen Schattierungen in Weiß kontrastieren an den Rändern, wo sie auf die Schwarz-Abstufungen treffen, wirkungsvoll mit diesen und unterbrechen so die scharfen Grenzen zwischen den Formen. Obwohl Emokpae Abdrücke seiner beiden Hände auf dem Gemälde hinterließ ‒ eine Geste, mit der er möglicherweise seine Autorschaft zum Ausdruck bringen wollte ‒, scheint es in diesem Werk vor allem um die Idee der Spaltung und des Gegensatzes zu gehen. Die Grenzen zwischen den Formen selbst bringen nicht Komplementarität, sondern Spannung zum Ausdruck.

Emokpae selbst meinte hierzu: „Ich sehe Leben und Tod in einem Dialog zwischen Mutterleib [womb] und Grab [tomb]. Sie sind die Klammern, zwischen denen wir lieben und hassen, lachen und weinen, wachsen und vergehen. Diese Dualität erscheint in wechselnden Dimensionen im gesamten komplexen Muster der Schöpfung und hat die visuelle Deutung meiner Erfahrungen sehr stark bestimmt.“

In diesem Bild vermittelt Emokpae Dualität nicht nur durch die binäre Palette und die gespiegelten Formen, sondern auch durch den Einsatz einer starren, regelmäßigen Geometrie, die durch die biomorphen Formen und organischen Linien seiner Handabdrücke unterbrochen wird: die Präzision und Universalität der Mathematik gegenüber dem einzigartigen, unvollkommenen Zeichen eines Individuums.

Joseph Underwood

Biografie von Erhabor Emokpae

  • Geboren 1934 in Benin-Stadt, Nigeria
  • Gestorben 1984 in Bundesstaat Lagos, Nigeria

Erhabor Emokpae arbeitete anfangs in einem romantischen, ethnografisch-gegenständlichen Stil und wandte sich später der Abstraktion zu. Er ist bekannt für seine Gemälde, die legendäre Figuren der afrikanischen Geschichte darstellen, und für seine lebenslange künstlerische Beschäftigung mit dem Thema Dualismus. Seine frühesten künstlerischen Einflüsse, insbesondere durch die Holzschnitzer-Gilde von Benin, reichen bis in seine Kindheit zurück.

1951 ging er nach Lagos und studierte am Yaba Technical Institute. Er nahm zudem Privatunterricht bei einem Grafiker und arbeitete ab 1953 als Werbegrafiker für das Bundesinformationsministerium. Nach der Unabhängigkeit Nigerias 1960 erlangte Emokpae die Anerkennung der damals entstehenden Szene für moderne nigerianische Kunst.

Sein Beitrag zur Kulturpolitik und seine Bemühungen, der aktuellen modernen Kunst Nigerias mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, begannen zu der Zeit, als er das Eastern Nigeria Festival of Arts (1956–1959) mit organisierte. In den 1960er- und 1970er-Jahren arbeitete Emokpae als Sekretär der neu gegründeten Society of Nigerian Artists und des Lagos Arts Council.

Nach seiner Tätigkeit als Grafiker für die Werbeagentur Lintas beschloss er schließlich, professioneller Maler und Wandmaler zu werden. Einige seiner am meisten beachteten Werke entstanden für das Festival of Arts and Culture (FESTAC) 1977 und für das Gebäude des National Arts Theatre in Lagos.