Loló Soldevilla

Sin título (Ohne Titel)

Soldevilla Sin Título Untitled 1954 Courtesy David Zwirner
  • Loló Soldevilla
  • Sin título (Ohne Titel)
  • 1954
  • Bronze und Holz
  • Privatsammlung

Loló Soldevilla spielte eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung der geometrischen Abstraktion in Kuba, wo sie 1957 gemeinsam mit ihrem Künstlerkollegen Pedro de Oraá in Havanna die Galería de Arte  Color-Luz gründete und 1964 die Künstlergruppe Espacio ins Leben rief. Außerdem war sie ein wichtiges Mitglied der Künstlergruppe Diez Pintores Concretos (Zehn konkrete Maler), die sich 1958, ebenfalls in Havanna, zusammentat. Der nüchterne Rationalismus der konkreten Kunst ‒ eine transnationale Form der Abstraktion, die in Deutschland von Max Bill, von Gyula Kosice und der Madí-Gruppe in Buenos Aires sowie von Waldemar Cordeiro und anderen konkreten Künstlern in São Paulo praktiziert wurde ‒ stand in deutlichem Kontrast zum figurativ-tropischen Stil der kubanischen Kunst der 1940er-Jahre.

Zwei von Soldevillas Werken ohne Titel, ein Mixed-Media-Gemälde und eine Skulptur aus Holz und Bronze, untersuchen auf spielerische Weise Gleichgewicht und Harmonie. Mit der genau abgewogenen Anordnung kontrastierender Elemente in diesem Bild schuf sie eine Dynamik der Gegensätze (Kreis und Quadrat, Schwarz und Weiß, Links und Rechts), die sich letztlich zu einem geschlossenen Ganzen auflösen. Trotz des quadratischen Rahmens des Gemäldes legen die verschachtelten Formen und ihre gegensätzliche Anordnung nahe, dass sich die Komposition über diese Begrenzungen hinaus ausdehnen könnte. Tatsächlich handelt es sich hier nicht um ein Gemälde im traditionellen Sinne, ein geschlossenes Bild von etwas anderem, sondern vielmehr um ein autonomes Objekt.

Auch die kreisförmigen, sich unablässig spiralförmig nach außen bewegenden Elemente der Skulptur legen Kontinuität nahe. Vermittels der komplexen Interaktion von Form und Linie, Kreis und Quadrat hat Soldevilla ein dynamisches Objekt geschaffen, das seine eigene Logik hervorbringt.

Megan Hines

Biografie von Loló Soldevilla

  • Geboren 1901 in Pinar del Rio, Kuba
  • Gestorben 1971 in Havanna, Kuba

Loló Soldevilla zog 1949 nach Paris, wo sie in der kubanischen Botschaft als Kulturattachée arbeitete und an der Académie de la Grande Chaumière Bildhauerei studierte. 1950 kehrte sie kurz nach Kuba zurück und zeigte bei ihren ersten beiden Einzelausstellungen Skulpturen und Gemälde. 1951 war sie wieder in Paris. 

Sie besuchte das Atelier d’art abstrait und wandte sich der geometrischen Abstraktion zu. Ihre Arbeiten aus den 1950er-Jahren – u.a. schlanke Metallskulpturen (Stabiles), Gemälde, deren Motive an Sternkonstellationen erinnern, und phosphoreszierende/leuchtende Reliefs, die von ihrer Zusammenarbeit mit dem spanischen Vertreter der kinetischen Kunst Eusebio Sempere (1923–1985) inspiriert sind – zeigen meist geometrische Formen. 

Von 1951 bis 1955 nahm sie am Salon des Realités Nouvelles teil; 1956 kehrte sie für immer nach Havanna zurück. Dort organisierte sie 1956 im Palacio de Bellas Artes die Ausstellung Pintura de hoy. Vanguardia de la Escuela de Paris und eröffnete 1957 zusammen mit Pedro de Oraá (* 1931) die Galería de Arte Color-Luz, die für die 1958 von ihr mitgegründete Gruppe Los Diez Pintores Concretos zentrale Bedeutung erlangte. 

Nach der kubanischen Revolution ließ Soldevillas künstlerische Produktivität nach, doch sie lehrte an der Architekturhochschule in Havanna (1960–1961), arbeitete als Redakteurin für die kommunistische Zeitung Granma (1965–1971) und gründete 1965 die Gruppe Espacio zur Förderung junger Künstler.