Siah Armajani

Shirt #1 (Hemd #1)

Armajani Shirt 1 The Metropolitan Museum Of Art 1500 - © Siah Armajani/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/The Metropolitan Museum of Art
  • Siah Armajani
  • Shirt #1 (Hemd #1)
  • 1958
  • Stoff, Bleistift, Tusche, Holz
  • 80,6 × 76,2 cm
  • Lent by The Metropolitan Museum of Art, Purchase, 2011 NoRuz at The Met Benefit, 2012 (2012.109) - © Siah Armajani/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/The Metropolitan Museum of Art

Shirt #1 (1958) entstand, als der junge Siah Armajani noch im Iran lebte. Es ist mit von Hand aufgetragenen Sufi-Texten des im 14. Jahrhundert tätigen persischen Dichters Hafis sowie mit anderen volkstümlichen und spirituellen Schriften überzogen. Inspiriert von den Schreibern und Verfassern von Zaubersprüchen, die er in seiner Heimatstadt Teheran beobachtete, beschwört Armajani die Macht spiritueller Verse herauf, indem er sie auf das Futter einer Anzugsjacke seines Vaters schreibt. Dieses Futter ist von der Jacke selbst abgetrennt, sodass unklar ist, ob der Stoff von einer Jacke stammt, die im lokalen iranischen oder im westlichen Stil geschnitten ist. Doch unabhängig von der Oberfläche, auf welche die Texte aufgetragen wurden, ist es wichtig festzuhalten, dass diese selbst nicht abstrahiert wurden. Obwohl Armajani einzelne Zeilen kippt und dreht, um sie auf den zusammengefügten Stoff zu übertragen, bleiben sie lesbar – zumindest für diejenigen, die der persischen Schrift und Sprache mächtig sind. Darüber hinaus präsentiert Shirt #1 Sprache oder Schrift nicht als ästhetische Mittel, sondern bietet uns spezifische Verse und Gedichte, die bestimmte Empfindungen hervorrufen. Das Werk ist daher eine provozierende Kombination von Text und gebrauchsfertigem Gegenstand sowie ein Schutz bietender Talisman, der aus der Kleidung eines bestimmten Trägers – des Vaters von Armajani – hergestellt wurde, mit dem dieses Objekt immer noch irgendwie verbunden zu sein scheint.

Gemma Sharpe

Biografie von Siah Armajani

  • Geboren 1939 in Teheran, Iran

Siah Armajani emigrierte 1960 in die Vereinigten Staaten. Dort studierte er Philosophie und Mathematik am Macalester College in Minneapolis und begann nebenher künstlerisch zu arbeiten. Mit dem Gemälde Prayer (1962), das vom Walker Art Center ausgestellt und angekauft wurde, heimste er einen frühen Erfolg ein. Wie andere Arbeiten Armajanis aus dieser Zeit zeigt das Bild eine dichte abstrakte Struktur. Sie setzt sich aus Exzerpten lyrischer Werke aus dem 13. und 14. Jahrhundert zusammen, die der Künstler mit schwarzer Tusche von Hand auf die Leinwand übertrug (unter anderem verarbeitete er Gedichte von Sufi-Dichtern wie Rumi und Hafis). Ende der 1960er-Jahre begann Armajani sich für die typisch amerikanischen Bautechniken zu interessieren und entwickelte erste Modellbrücken. Es folgten freistehende Skulpturen und größer dimensionierte Raumkonzepte z.B. für Leseräume, Brücken und Dichtergärten. Armajanis Faible für die Kunst im öffentlichen Raum speiste sich aus seinem Glauben an demokratische Ideale, die Philosophen wie Ralph Waldo Emerson propagierten.

Werke Armajanis wurden bereits 1969 im Rahmen der Ausstellung Art by Telephone im Museum of Contemporary Art in Chicago sowie 1970 bei der Ausstellung Information im Museum of Modern Art in New York gezeigt. Er nahm an der documenta 5 (1972), 7 (1982) und 8 (1987) teil.