Yohanan Simon

Shabbat on the Kibbutz (Sabbat im Kibbuz)

Simon Shabat On The Kibbutz Tel Aviv Museum Of Art 1500 - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig
  • Yohanan Simon
  • Shabbat on the Kibbutz (Sabbat im Kibbuz)
  • 1947
  • Öl auf Leinwand
  • 65 × 55 cm
  • Collection Tel Aviv Museum of Art - © Tel Aviv Museum of Art. Photo: Elad Sarig

Diese bukolische Szenerie am jüdischen Ruhetag entstand nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust und ein Jahr vor Gründung des Staates Israel. Für Yohanan Simon symbolisieren Landschaft, familiäre Wärme und Kindheit bereits dieses feierliche Zukunftsversprechen. 1936 hatte er sich dem Kibbuz Gan Shumel im damals noch britischen Protektorat Palästina angeschlossen. Sowohl künstlerisch als auch politisch ließ er sich von den Plänen der Kibbuzbewegung begeistern, die den Aufbau utopischer agrarischer Genossenschaften nach zionistisch-sozialistischen Idealen vorsahen.

Ähnlich wie andere Künstler im Umfeld der Kibbuzbewegung ließ sich Simon von realistischen Strömungen inspirieren. Den Prinzipien der Figuration und Verständlichkeit verpflichtet, folgt die Komposition von Shabbat on the Kibbutz (1947) einer Linearperspektive und arbeitet mit starken Helldunkelkontrasten. Simon, der das Familienbild der Kibbuzim als bürgerlich ablehnte, betont hier die engen Bande innerhalb der Kleinfamilie. Obwohl sich die Szenerie am heiligen Sabbat abspielt, deuten Pferde und Wagen – wenngleich hier ruhend – die Mühen der Arbeit an. Eindrucksvoll bringt Shabbat on the Kibbutz die freudige Erwartung des künftigen Staates zum Ausdruck und vereint scheinbar gegensätzliche künstlerische Stile mit scharfer politischer Beobachtungsgabe.

Gemma Sharpe

Biografie von Yohanan Simon

  • Geboren 1905 in Berlin, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 1976 in Tel Aviv, Israel

Yohanan Simon arbeitete international. 1924 begann er in Berlin Medizin zu studieren, dann wechselte er an die Fakultät für Kunst und studierte zunächst Bildhauerei und anschließend Malerei. 1926 setzte er sein Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main bei dem expressionistischen Maler Max Beckmann (1884–1950) fort. 

1928 zog er nach Toulon, wo er bei dem Fauvisten André Derain (1880-1954) Unterricht nahm und 1931 seine erste Einzelausstellung hatte. Von 1931 bis 1934 besuchte er die École des Beaux-Arts in Paris und war als Grafikdesigner für die Zeitschriften Vu und Les Annales tätig. 1934 zog er nach New York, wo er die Wandbilder Diego Riveras (1886–1957) entdeckte und für die Vogue arbeitete. 

1936 wanderte er nach Palästina aus. Bis 1953 lebte er in einem Kibbuz und entwarf Plakate und Illustrationen für die Kibbuzbewegung. Simon schuf eine Reihe öffentlicher Wandgemälde in ganz Israel, auf denen er den Kibbuzalltag im Stil des Sozialistischen Realismus darstellte. 

1948 nahm er an der ersten Ausstellung der zionistischen Gruppe Ofakim Hadashim (Neue Horizonte) teil. 1948 und 1958 war er auf der Biennale von Venedig und 1953 auf der Biennale von São Paulo vertreten.