Alberto Burri

Sacco e oro (Sacktuch und Gold)

Burri Sacco E Oro Fondazione Palazzo Albizzini Collezzione Burri 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello – by SIAE 2016
  • Alberto Burri
  • Sacco e oro (Sacktuch und Gold)
  • 1953
  • Sackleinen und Gold auf Leinwand
  • 126 x 111 cm
  • Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Fondazione Palazzo Albizzini Collezione Burri, Città di Castello – by SIAE 2016

1944, als Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten, malte Alberto Burri zum ersten Mal auf alten Jutesäcken. Als praktischer Ersatz für Leinwand und billiges und robustes Material für Zelte, Sandsäcke und Tarnnetze, sprach die Oberflächenbeschaffenheit und die Webart der Rupfensäcke Burri an, und nach seiner Entlassung 1946 nahm er mehrere davon nach Italien mit. Diese Sacchi, die wie ein Relief von der Wand herabhängen, sinken an ihrem Fundament herab und lösen sich von diesem. Gesteigert wird ihr erbärmliches Erscheinungsbild noch dadurch, dass Burri die endgültige Komposition mit Löchern, Flecken und Nähten versah. Möglicherweise stehen die verletzten, verbeulten und zusammengeflickten Säcke auch in einem Zusammenhang mit seiner ehemaligen Funktion als Arzt in der italienischen Armee.

Durch die Konzentration auf den Bildträger und den nahezu vollständigen Verzicht auf den Malakt selbst, schlossen Werke wie Sacco e oro (1953) die heftigen Auseinandersetzungen um Realismus und Abstraktion kurz, die im Italien der Nachkriegszeit stattfanden. Burris Konzentration auf die physischen Eigenschaften des Bildträgers in diesem Werk erinnert daran, wie Rocco Marconi (1420‒1529) das Gewebe der Leinwand in seinen Gemälden als strukturelles Element einbezog. Burris Hervorhebung der Werkstoffe zeigt sich in den hier und da sichtbar werdenden Spuren von Blattgold hinter der Jute, die an die leuchtend vergoldeten Paneele der italienischen Kunst des 13. Jahrhunderts erinnern. Viele Betrachter hielten dieses Verbergen des Goldes für eine Anspielung auf das noch frische Kriegstrauma Italiens, dessen Narben der ausgefranste und zusammengestückte Rupfensack imitiert.

Damian Lentini

Biografie von Alberto Burri

  • Geboren 1915 in Città di Castello, Italien (damals Königreich Italien)
  • Gestorben 1995 in Nizza, Frankreich

Alberto Burri war ausgebildeter Arzt und begann zu malen, als er im Zweiten Weltkrieg im texanischen Hereford als Kriegsgefangener interniert war. 1946 wurde er entlassen und kehrte nach Rom zurück, hängte seinen Brotberuf an den Nagel und richtete sich ein Atelier ein.

Bei seiner ersten Einzelausstellung in der Galleria La Margherita in Rom 1947 zeigte er Landschaftsgemälde und Stillleben. Kurz darauf fuhr er nach Paris, ließ sich von den Werken Joan Mirós (1893–1983) und Jean Dubuffets (1901–1985) inspirieren und begann Anfang der 1950er-Jahre mit ungewöhnlichen Pigmenten und Harzen zu experimentieren. In seinen skulpturalen Bildern und Assemblagen wie z.B. den Gobbi (Buckligen) verschwimmen die Grenzen zwischen Malerei und Reliefskulptur.

Burri verwendete meist Materialien, die er mit seiner Zeit im Lager assoziierte, wie z.B. Sackleinen, Holz, Teer und Blech. Seine bekannteste Serie sind die Sacchi (Säcke) – zerschnittene, zerrissene und zusammengenähte Sackleinenstücke in monochromen Farben.

1957 widmete das Carnegie Museum of Art in Pittsburgh Burri eine Retrospektive. 1959 erhielt er auf der Biennale von São Paulo den UNESCO-Preis, und 1960 wurde auf der Biennale von Venedig, wo er einen ganzen Saal für sich hatte, mit dem Kunstkritikerpreis (Associazione internazionale dei critici d’arte) ausgezeichnet.