Hélio Oiticica

Relevos espacial (Raumreliefe)

Oiticica Relevos Espacial Amarillo Mfa Houston 1500 - © Projeto Hélio Oiticica
  • Hélio Oiticica
  • Relevos espacial (Raumreliefe)
  • ca. 1960
  • Farbe auf Holzzuschnitt
  • 114,3 x 114,3 x 25,4 cm
  • The Museum of Fine Arts, Houston. The Adolpho Leirner Collection of Brazilian Constructive Art, museum purchase funded by the Caroline Wiess Foundation, 2005.1023 - © Projeto Hélio Oiticica

Hélio Oiticicas Frühwerk ist in starkem Maße von der im Entstehen begriffenen Szene der geometrischen Kunst in Brasilien und von der klassischen europäischen Avantgarde beeinflusst. Bald darauf begann Oiticica sich mit Farbe zu befassen, die er als eigenständige Größe begriff, die es von ihrer Unterwerfung unter die Bildebene zu befreien galt. Wie für andere Zeitgenossen in der brasilianischen Szene des Neo-Konkretismus, Lygia Clark etwa, bestand die Lösung für Oiticica darin, die Bildebene aufzubrechen, die Kunst aus dem Bereich des Bildraums zu befreien und sie in den realen Raum zu entlassen. Wie die Werke in dieser Serie Relevos espacial (Raumreliefe) und dieses Beispiel Amarillo (Gelb) (ca. 1960) zeigen, beschränkten sich Oiticicas Werke ab 1960 nicht mehr auf die zweidimensionale Wandfläche, sondern bewegten sich in den Ausstellungsraum hinein. Diese hängenden Objekte forderten traditionelle Sehgewohnheiten heraus und luden den Betrachter zu einer physischeren Begegnung mit den Werken ein. Dies sollte sich als wesentlicher Schritt für Oiticicas Entwicklung eines bestimmten Typs von Gesamtinstallation erweisen. Später schuf er eine Serie architektonischer Environments aus Farbpaneelen, die die Betrachter einluden, umschlossene Räume und labyrinthartige Gebilde zu betreten.

Daniel Milnes

Biografie von Hélio Oiticica

  • Geboren 1937 in Rio de Janeiro, Brasilien
  • Gestorben 1980 in Rio de Janeiro, Brasilien

Hélio Oiticicas Untersuchungen zum Wesen der Kunst führten ihn dazu, die Grenzen zwischen Kunst, Leben und Betrachter infrage zu stellen. Seine künstlerische Laufbahn begann 1954, als er bei Ivan Serpa am Museu de Arte Moderna in Rio de Janeiro Malerei studierte. 

1955 wurde er Mitglied des Grupo Frente und begann, an zahlreichen Ausstellungen Konkreter und Neokonkreter Kunst teilzunehmen; 1959 schloss er sich der Bewegung des Neokonkretismus an. 1970 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium, das ihm ermöglichte, nach New York zu ziehen, wo er von 1970 bis 1978 lebte. 

Er hinterfragte während seiner gesamten Laufbahn die zweidimensionale Bildebene (Metaesquemas, 1957/58) und untersuchte die Partizipation der Betrachter (Bilaterais, 1959), vergängliche Materialien, die Dimensionen der Farbe (Invenções, 1959–1962) und multisensorische Kunst (Bólides). Zu seinen wichtigsten Werkgruppen gehören die Parangolés (mobile Skulpturen, Kostüme) und Penetrables (begehbare Farbinstallationen); beide waren Elemente seiner bahnbrechenden Arbeit Tropicália (1967), einer immersiven Installation, der die Bewegung des Tropicalismo ihren Namen verdankt. Neben seiner Arbeit als bildender Künstler verfasste Oiticica auch zahlreiche kunsttheoretische Schriften.