Ivo Gattin

Red Surface with Two Slashes

Gattin Red Surface With Two Slashes Marinko Sudac Collection 1500
  • Ivo Gattin
  • Red Surface with Two Slashes
  • 1962
  • Sackleinen, Gummi, Pigment
  • 145 x 89 cm
  • Marinko Sudac Collection

Nachdem Jugoslawien in den späten 1940er-Jahren mit der Sowjetunion gebrochen hatte, wurde der Sozialistische Realismus als offizieller Stil rasch aufgegeben, was zu einer dem Modernismus zuträglichen Atmosphäre künstlerischer Offenheit führte. Während viele jugoslawische Künstler sich nun einer kalligrafischen, lyrischen Abstraktion befleißigten, pflegte Ivo Gattin einen aggressiveren, vom Material selbst motivierten stilistischen Ansatz, der dem Informel (Art informel) zuzurechnen ist. In seinen Gemälden der späten 1950er-Jahre mischte Gattin dunkle Pigmente mit Zement, Harz und Wachs, bezog ausrangierte Materialien wie Sand und Holz- oder Drahtfragmente in seine Werke ein und schuf so dichte, grob strukturierte Oberflächen. Dennoch frustrierten ihn zunehmend die ihm durch die Leinwand auferlegten Beschränkungen, da deren vorgegebene Form die endgültige Gestalt des Werks inhärent begrenzte.

Stattdessen ging Gattin in Werken wie Red Surface with Two Slashes (1962) dazu über, die Werkstoffe direkt zu manipulieren. Nachdem er eine Schicht Pigmente und andere Materialien auf grobe, nicht aufgezogene Sackleinwände appliziert hatte, die in der Regel im Freien auf dem Boden lag, stach er gewöhnlich auf diese Gebilde ein, setzte sie in Brand und befestigte die verkohlten Reste anschließend auf einem neuen Bildträger. Die unregelmäßigen Formen und verstümmelten Oberflächen dieser Werke verdanken sich der Art, wie die jeweiligen Rohmaterialien auf Gattins zerstörerische Vorgehensweise reagierten. Letztlich trieb er die Definition dessen, was Malerei ist, damit an ihre äußerste Grenze, indem er praktisch jedwede Konvention dieses Mediums in Abrede stellte, ja sie aktiv bekämpfte.

Rachel Wetzler

Biografie von Ivo Gattin

  • Geboren 1926 in Split, Kroatien (vormals Jugoslawien)
  • Gestorben 1978 in Zagreb, Kroatien (vormals Jugoslawien)

Ivo Gattin gehörte zu den führenden Vertretern der informellen Kunst in Kroatien. 1953 schloss er sein Studium an der Akademie der Schönen Künste in Zagreb ab. Sein Stil war antiexpressiv; ihm ging es um Materialist. 

In seinen frühen Werken von 1956/1957 behandelte er Bildoberflächen beispielsweise mit Harz, Wachs und Zement. Später verbrannte er seine Leinwände und formte aus Sackleinen unregelmäßige Reliefs. Als Gattin von 1963 bis 1967 in Mailand lebte, schuf er Illustrationen für Lexika und verfasste ein Manifest. 

Er war Mitglied der radikalen Gruppe Gorgona, eines Kollektivs von Konzeptkünstlern, zu dem auch Julije Knifer (1924–2004) und Dimitrije Bašičević (auch Mangelos genannt) (1921–1987) gehörten. Die Gruppe stellte gemeinsam aus, gab Künstlerbücher heraus und veranstaltete von 1959 bis 1966 in Zagreb öffentliche Aktionen. Gattins Hang zu „Nihilismus und metaphysischer Ironie“, so die Kunsthistorikerin und Kuratorin Nena Dimitrijević, stand in einem krassen Gegensatz zum staatlich gebilligten sozialistischen Realismus.