Wassili Jakowlew

Portrait of Georgy Zhukov, Marshal of the Soviet Union (Porträt Georgij Schukow, Marschall der Sowjetunion)

Jakolew Portrait Of Georgy Zhukov State Tretyakov Gallery 1500
  • Wassili Jakowlew
  • Portrait of Georgy Zhukov, Marshal of the Soviet Union (Porträt Georgij Schukow, Marschall der Sowjetunion)
  • 1946
  • Öl auf Leinwand
  • 206 x 153 cm
  • The State Tretyakov Gallery, Moscow

Wassilij Jakowlews Portrait of Georgy Zhukov (1946) veranschaulicht beispielhaft den bombastischen Stil des stalinistischen Sozialistischen Realismus der 1940er- und frühen 1950er-Jahre, der durch eine akademische Technik, monumentalen Klassizismus und eine Vorliebe für heroische Porträts kommunistischer Führer gekennzeichnet ist. Im Anschluss an den „Großen Vaterländischen Krieg“ (wie Russen den Zweiten Weltkrieg nennen) gehörten Nationalismus und Patriotismus zu den Hauptanliegen der Parteipropaganda. 1946 bestätigte die Sowjetunion die Schdanow-Doktrin, der zufolge die Welt in zwei Lager geteilt war, das imperialistische (Vereinigte Staaten) und das demokratische (Sowjetunion). Dies führte zu einer zweiten Welle kultureller Säuberungen, mit der jegliche Spuren »ausländischer« Einflüsse in der sowjetischen Kunst ausgemerzt werden sollten, während die Verbreitung von Triumphbildern des sowjetischen Sieges im Krieg zugleich massiv zunahm. Hier bediente sich Jakowlew des Reiterstandbilds, eines traditionellen Symbols für Macht und militärische Größe. General Schukow, ein sowjetischer Militärbefehlshaber, der in der Schlacht um Berlin eine entscheidende Rolle spielte, ist auf einem sich aufbäumenden weißen Hengst dargestellt, der inmitten der brennenden Ruinen der deutschen Hauptstadt auf einem Haufen auf den Boden gefallener Nazi-Standarten herumtrampelt. Trotz seines akribischen Naturalismus ‒ Jakowlew war Restaurator der Gemälde Alter Meister in den nationalen Sammlungen gewesen ‒ ist das Gemälde alles andere als ein präzises Porträt des Krieges, da es dem Sozialistischen Realismus nicht darum ging, Ereignisse so darzustellen, wie sie sich tatsächlich zugetragen hatten, sondern sie so zu schildern, wie sie verstanden werden sollten. Monumental sowohl in Hinblick auf das Thema als auch hinsichtlich seines Formats wird Schukow hier von Jakowlew als überlebensgroße Figur dargestellt, die den Geist der sowjetischen Militärmacht verkörpert.

Rachel Wetzler

Biografie von Wassili Jakowlew

  • Geboren 1893 in Moskau, Russisches Königreich
  • Gestorben 1953 in Moskau, Sowjetunion

Nach einem Studium der Mathematik und Physik besuchte Wassili Jakowlew von 1914 bis 1917 die Moskauer Schule für Malerei, Bildhauerei und Architektur, wo er von Abram Archipow (1862–1930) und Konstantin Korowin (1861–1939) unterrichtet wurde. Seinem Studium der alten europäischen Meister und der russischen Ikonenmalerei sehr förderlich war die Tatsache, dass er in jener Zeit als Konservator für verschiedene Moskauer Institutionen und Museen arbeitete. 

Ende der 1920er-, Anfang der 1930er-Jahre reiste er mehrmals nach Westeuropa, wo er 1932 auf Einladung von Maxim Gorki (1869–1936) einen längeren Italienaufenthalt verbrachte. Als durch und durch konservativer Künstler strebte er danach, die Kunstfertigkeit der Renaissance- und Barockmalerei mit dem ideologischen Programm des sowjetischen Sozialistischen Realismus zu verbinden. 

In den 1930er- und 1940er-Jahren schuf er eine Vielzahl an Gemälden, in der Regel Porträts, in einem vollendeten akademischen Stil. Während des Großen Vaterländischen Krieges (1941–1945) reiste Jakowlew an die Front, um das militärische Leben zu studieren. 1944 schuf er sein ikonenhaftes Werk Porträt Georgi Schukow, Marschall der Sowjetunion

Der Künstler wurde zwei Mal (1943 und 1949) mit dem begehrten Stalin-Preis ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde ihm 1944 der Titel Volkskünstler der RSFSR verliehen. 1952 begannen die Arbeiten an seinem letzten großen Projekt: der Restaurierung von Franz Roubauds (1856–1928) Die Belagerung von Sewastopol (1902–1904), die er auch leitete.