Gerhard Richter

Neger (Nuba)

Richter Neger Nuba Private Collection Frei 1500 - © Gerhard Richter 2016 (1175)
  • Gerhard Richter
  • Neger (Nuba)
  • 1964
  • Öl auf Leinwand
  • 145 × 200 cm
  • Larry Gagosian - © Gerhard Richter 2016 (1175)

Gerhard Richters Neger (Nuba) basiert auf einer Fotografie Leni Riefenstahls, die während einer einjährigen Sudanexpedition 1962 entstand. Die Illustrierte Kristall veröffentlichte es erstmals 1964 als Aufmacher des Artikels „Requiem für eine Nuba“. Richter nutzte das Bild im selben Jahr als fotografische Vorlage für sein Gemälde, indem er sie in der für ihn zu dieser Zeit charakteristischen Unschärfe in Malerei übertrug. In seinen Notizen erklärt er diese Methode damit, dass alle Teile gleich wichtig erscheinen sollen und die künstlerische Handschrift zurückgenommen wird. Gleichzeitig steigert Richter dadurch die Distanz zwischen Inhalt und Darstellung, die sich nicht im Abbild der bloßen Fakten erschöpft. 

Die halbnackten Männer in dieser frappierenden Darstellung haben ihre Körper mit weißer Asche eingerieben. Diese hat bei den Nuba sowohl kultische als auch praktische Bedeutung, Sie dient dem Schutz der Haut sowie der Steigerung ihrer Kraft in rituellen Ringkämpfen und wird auch als Zeichen der Trauer zur Totenfeier getragen. Richters fotorealistische Annäherung an das Motiv konfrontiert einerseits mit medialen Repräsentationen, wobei sie sich gleichzeitig durch eine kritische Ambivalenz in Bezug zum Bild von ihnen distanzieren.

Petronela Soltész

Biografie von Gerhard Richter

  • Geboren 1932 in Dresden, Deutsches Reich

Das umfangreiche, zwischen Realimus und Abstraktion oszillierende Œuvre Gerhard Richters spiegelt persönliche und kollektive Erfahrungen beim Wiederaufbau der kulturellen Identität Deutschlands während der Nachkriegszeit wider. 

Nach einem Studium der Malerei an der Kunstakademie Dresden (1951–1956) begann Richter seine künstlerische Laufbahn als Wandmaler in der ehemaligen DDR. Nachdem er bei der documenta 1959 Bekanntschaft mit dem Abstrakten Expressionismus gemacht hatte, beschloss der Künstler, nach Westdeutschland zu fliehen, um seinen eigenen Malstil weiterentwickeln zu können. 

Von 1961 bis 1964 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Die 1960er-Jahre waren prägend für Richters stilistische Entwicklung wie auch für die seiner Kommilitonen Sigmar Polke (1941–2010) und Konrad Lueg (1939–1996). Gemeinsam mit Manfred Kuttner (1937–2007) präsentierten die drei Künstler 1963 in einem Düsseldorfer Möbelhaus die richtungweisende Installation Leben mit Pop – eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus

Im darauffolgenden Jahr zeigte die Düsseldorfer Galerie Schmela seine erste Einzelausstellung. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden die ersten verschwommenen Bilder, bei denen er sich von Fotografien und den Medien insgesamt inspirieren ließ. Seit den 1970er-Jahren widmet sich der Künstler gleichermaßen der gegenständlichen wie der abstrakten Malerei.

Auf diese Weise entstanden seine Rakeltechnik, die Glasbilder, die Vanitasmotive der 1980er-Jahre, aber auch die neueren Werke, bei denen er Techniken des Digitaldrucks einsetzt. Dem Œuvre Richters wurden zahlreiche Retrospektiven gewidmet, und seit 1972 hat er jeweils fünf Mal an der Biennale von Venedig und an der documenta teilgenommen.