Waldemar Cordeiro

Movimento (Bewegung)

Cordeiro Movimento Museu De Arte Contemporânea Da Universidade De São Paulo 1500 - © Família Cordeiro Collection: Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, Brazil
  • Waldemar Cordeiro
  • Movimento (Bewegung)
  • 1951
  • Tempera auf Leinwand
  • 90,1 x 95,3 cm
  • MAC USP Collection (Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, Brazil) - © Família Cordeiro Collection: Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, Brazil

Waldemar Cordeiro studierte Kunst in Rom, bevor er 1946 nach Brasilien zog, wo er als Journalist arbeitete. 1952 war er zusammen mit Anatol Wladyslaw (1913‒2004), Leopoldo Haar (1910‒1954), Lothar Charoux (1912‒1987), Féjer (1923‒1989), Geraldo de Barros (1923‒1998) und Luiz Sacilotto (1924‒2003) Mitbegründer der Avantgardegruppe Ruptura. Deren erste Ausstellung fand in diesem Jahr im neuen Museu de Arte Moderna in São Paulo statt. Die Mitglieder von Ruptura nahmen sich vor, Erfahrungen zu erzeugen, »die tendenziell zu einer Erneuerung der grundlegenden Werte der bildenden Kunst führen«. Jedes Werk war ein Versuch, die Gesetze der Kunst zu definieren, so wie ein Wissenschaftler bestrebt ist, die Gesetze der Natur zu bestimmen. Indem sie Kunst mit rationaler Konstruktion verbanden, schlossen sich die Ruptura-Künstler dem damaligen Modernisierungs- und Industralisierungsschub in Brasilien an.

Movimento (1951) erklärte Cordeiros Standpunkt im Verhältnis von Figuration zur Abstraktion, das damals Gegenstand einer heftigen Auseinandersetzung in São Paulo und anderen Kunstzentren war. Cordeiro und die Ruptura-Gruppe bekannten sich zur konstruktiven, mit dem älteren russischen Konstruktivismus und der niederländischen konkreten Kunst verwandten Abstraktion und erklärten Farbe und Linie zu den einzigen wahren Kunstelementen. Diese Prinzipien bestimmen auch die Hard-Edge-Farbbänder von Movimento. Obwohl die Komposition flach ist, wirkt das Gemälde nicht statisch, vielmehr bewegt sich das Auge leichthin über die Oberfläche und ihre alternierenden Farben. Die sorgfältige Aufteilung des Raums erscheint ebenso kalkuliert wie spielerisch und entspricht damit Cordeiros Absicht, die Beziehungen zwischen den Farben, in diesem Fall Orange, Grün, Lila und Gelb, zu erkunden.

Megan Hines

Biografie von Waldemar Cordeiro

  • Geboren 1925 in Rom, Italien
  • Gestorben 1973 in São Paulo, Brasilien

Waldemar Cordeiro, der in Brasilien zu den führenden Vertretern der Computerkunst gehörte, verbrachte die ersten zwanzig Jahre seines Lebens in Italien. Er studierte Kunst in Rom und begann 1943 als Karikaturist für eine Zeitung zu arbeiten. Von 1946 bis 1948 lebte er in Brasilien, wo er in expressionistischer Manier figurative Bilder malte und als Journalist und Kunstkritiker für die Zeitung Folha da Manhã tätig war. 1948 kehrte er nach Italien zurück; im Jahr darauf ließ er sich in São Paulo nieder.

1948 schuf er seine ersten abstrakten Gemälde, 1949 nahm er an der Eröffnungsausstellung Do Figurativismo ao Abstracionismo am São Paulo Modern Art Museum (MAM/SP) teil. 1952 gründete er die Grupo Ruptura, die noch im selben Jahr im MAM/SP ausstellte. Als Wortführer der Gruppe verfasste Cordeiro anlässlich dieser Ausstellung ein Manifest zur konkreten Kunst. Ab 1951 nahm er wiederholt an der Biennale von São Paulo teil. 1953 gründete er Jardins de Vanguarda, ein Unternehmen für Landschaftsgestaltung.

Bei einer Europareise im Jahr 1964 lernte er auf der Biennale von Venedig die amerikanische Pop-Art kennen. Bald darauf begann er zusammen mit Augusto de Campos (* 1931) an seiner Popcretos-Serie zu arbeiten. Ab 1968 beschäftigte sich Cordeiro mit Computerkunst, und 1971 organisierte er in Brasilien die wegweisende Ausstellung und Konferenz Arteônica, die sich dem Thema Kunst und Technologie widmete.