Li Xiushi

Morning (Morgen)

Li Morning Art Museum Of China Central Academy Of Fine Arts 1500
  • Li Xiushi
  • Morning (Morgen)
  • 1961
  • Öl auf Leinwand
  • 101 x 301 cm
  • In the collection of CAFA Art Museum, Beijing

Li Xiushi studierte Ölmalerei bei Dong Xiwen (1914‒1973), der das ikonische Werk The Founding of the Nation (Die Gründung der Nation, 1953‒1990) schuf. Wie sein Meister auf dem Gebiet der Malerei beschränkte sich Li Xiushi nicht auf das Studium der sozialistischen Kunst aus Sowjetrussland, sondern interessierte sich auch für moderne europäische Kunst und traditionelle chinesische Tuschemalerei. Sein synthetischer künstlerischer Ansatz erlaubte es ihm, über die stereotype Darstellung politischer Führer und heroischer Figuren hinauszugehen. Abgesehen davon setzt sich Li Xiushis Morgen (1961) mit einem umfassenderen, problematischen Thema seiner Zeit auseinander: Wie soll ein chinesischer Künstler angesichts der Propagierung eines sozialistischen Realismus mit nationalen Zügen durch die Kommunistische Partei seinen eigenen künstlerischen Ausdruck in einem fremdartigen Medium wie dem der Ölmalerei finden?

Morgen zeigt den von Sonnenlicht durchfluteten Tian’anmen Platz von Osten aus. Im Hintergrund dieser Panoramaszene sind das Denkmal für die Volkshelden und dahinter die Große Halle des Volkes zu sehen, der Sitz des Nationalen Volkskongresses. Interessanterweise bezog Li Xiushi das Tian’anmen-Tor am nördlichen Ende des Platzes, wo Mao Tse-tung die Geburt des kommunistischen China verkündete, nicht in das Bild mit ein. Stattdessen würdigte er die politische Bedeutung des Tores durch die Menschen im Vordergrund, die alle gemeinsam auf Maos Tor zulaufen.

Dieses Gemälde steht für ein neues Bild des Volkes im sozialistischen China, das in kollektivem, idealisiertem Sinne dargestellt wird. Die Szene zeigt Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Ihre horizontale Bewegung deutet ihre Verbindung zu den architektonischen Bauten im Hintergrund an, die ihrerseits den neuartigen Begriff des Volkes in der kommunistischen Rhetorik verkörpern.

Yan Geng

Biografie von Li Xiushi

  • Geboren 1933 in Jinzhou, Provinz Liaoning, China

Li Xiushi ist ein chinesischer Landschaftsmaler, der in seiner Arbeit die klassische westliche Technik der Ölmalerei, die traditionelle chinesische Tuschezeichnung im Mogu-Stil („ohne Knochen“) und den zeitgenössischen Sozialistischen Realismus vereint. 

Die Ölmalerei erlernte er während seines Studiums an der Zentralen Hochschule für Bildende Kunst in Peking bei Dong Xiwen (1914–1973), einem renommierten Vertreter des Sozialistischen Realismus. Sein Gemälde Die Überquerung des Jangtse (1959), das er noch als Student vollendete, wurde sowohl von der chinesischen als auch der internationalen Kritik gefeiert. 

Li bekleidete Positionen in etlichen staatlichen Einrichtungen des Kunstsektors; so war er etwa Gründer und Vizepräsident des Chinesischen Forschungsinstituts für Bildende Künste (1988) und Vorsitzender der Chinesischen Gesellschaft für Ölmalerei. Auch hat er mit der Künstlervereinigung von Heilongjiang zusammengearbeitet. Er wird in dem Film Die Bildenden Künste porträtiert, einer Produktion der Zentralen Hochschule, und seit 1962 werden seine Arbeiten regelmäßig in der Nationalen Kunstausstellung gezeigt, die vom Chinesischen Künstlerverband organisiert wird. 

1981 kuratierte Li eine Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Kunst mit Arbeiten von Künstlern der Zentralen Hochschule, der Tsinghua-Universität und der Pekinger Akademie der Bildenden Künste.