Anwar Jalal Shemza

Meem

Shemza Meem Private Collection 1500 - © The Estate of Anwar Jalal Shemza. Image courtesy of Jhaveri Contemporary and the Estate of Anwar Jalal Shemza. © Vipul Sangoi
  • Anwar Jalal Shemza
  • Meem
  • 1964
  • Öl auf Leinwand
  • 91,5 x 91,5 cm
  • Butcher Family Collection - © The Estate of Anwar Jalal Shemza. Image courtesy of Jhaveri Contemporary and the Estate of Anwar Jalal Shemza. © Vipul Sangoi

Das Changieren zwischen Spirituellem und Profanem war ein durchgehendes Thema im Werk von Anwar Jalal Shemza. Offenkundig ist dieses Konzept in seiner Meem-Serie aus den 1960er-Jahren, deren Titel sowohl auf den ersten Buchstaben im Namen des Propheten Muhammad verweist als auch auf Mary, den Namen der Frau des Künstlers. In kompositorischer Hinsicht freilich scheint das Wechselspiel streng geometrischer Kreise und Linien in diesem Gemälde Meem (1964) ohne irgendwelche Verweise auf Gegenständliches auszukommen und situiert das Werk ausschließlich im Bereich der konkreten Abstraktion. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass das Bild im Grenzbereich von Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelt ist und die hartkantigen geometrischen Festkörper in den kalligrafischen Linien der Urdu-Schrift einen Widerpart finden. Tatsächlich kommt es zu einem ständigen Oszillieren zwischen festen Positionen, wenn man sich die einzelnen Kreisgruppierungen mit den dazugehörigen „Stielen“ ansieht. So fällt einem möglicherweise auf, dass hier und da zwischen den dicken schwarzen Umrisslinien, die diese Kreise und »Stiele« beschreiben, alternierend blau-graue Felder eingestreut sind, deren scheinbare Festigkeit durch ihren malerischen Auftrag, der Spuren der braunen Untermalung zum Vorschein kommen lässt, aufgelockert wird. Diese Geste unterstreicht den lyrischen Charakter der Konturen und trägt dazu bei, das Werk in einem gegenständlichen Rahmen zu verorten. Jedes Arrangement einzelner und doppelstieliger Meeme erinnert dann sowohl an Blumensträuße als auch an anthropomorphe Assoziationen mit verwandten Gruppierungen.

Damian Lentini

Biografie von Anwar Jalal Shemza

  • Geboren 1928 in Shimla, Britisch-Indien
  • Gestorben 1985 in Stafford, Vereinigtes Königreich

Anwar Jalal Shemza studierte 1943 zunächst Persisch, Arabisch und Philosophie an der University of the Punjab in Lahore, wechselte dann aber an die Mayo School of Arts ebendort, wo er 1947 seinen Abschluss machte. 

Anschließend arbeitete er als Grafikdesigner, gab das Literaturmagazin Ehsas (1950–1953) heraus, schrieb Stücke für Radio Pakistan, publizierte mehrere Romane und präsentierte seine Kunstwerke bei Einzel- und Gruppenausstellungen in Pakistan. 

In seinem künstlerischen Schaffen wandte er die Prinzipien des westlichen Modernismus und der Abstraktion auf traditionelle Kalligrafie und islamische Sujets an. Er war Mitbegründer des 1952 aus der Taufe gehobenen Lahore Art Circle, einer Gruppe junger pakistanischer Künstler und Schriftsteller, die sich für die Avantgarde und die Abstraktion interessierten. 

1956 zog er nach London, besuchte die Slade School of Fine Art und machte dort 1959 sein Diplom. Später ließ er sich von Anthony Gross (1905–1984) in die tieferen Geheimnisse der Druckgrafik einführen. Shemza war Mitbegründer der Pakistan Group und stellte in London mit Künstlern wie F. N. Souza (1924–2002) und Avinash Chandra (1931–1991) aus. Am New Vision Centre (1959) und in der Gallery One (1960) hatte er Einzelausstellungen. 

1960 kehrte er für kurze Zeit nach Pakistan zurück, flog aber noch im selben Jahr wieder nach Großbritannien. 1989 nahm er an der wegweisenden Londoner Ausstellung The Other Story: Afro-Asian Artists in Post-War Britain teil.