Julije Knifer

Meandar u kutu (Mäander in der Ecke)

Knifer Meander In The Corner Museum Of Contemporary Art Zagreb 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Julije Knifer
  • Meandar u kutu (Mäander in der Ecke)
  • 1961
  • Öl auf Leinwand
  • Zwei Teile: 143 x 199 cm; 143 x 308 cm
  • Courtesy the Museum of Contemporary Art, Zagreb - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

1959 gelangte Julije Knifer zu jenem grundsätzlichen kompositorischen Format, das er für den Rest seines Lebens ausschließlich verwenden sollte: ein minimales Mäandermotiv in Weiß auf einem schwarzen Hintergrund, oder umgekehrt. Knifer begriff seine Mäanderwerke als eine Form der »Antimalerei«, bei der er immer wieder Permutationen an einem bereits bestehenden System vornehmen sollte. Die reduktive geometrische Form des Mäanders war eine ironische Antwort auf die neo-konstruktivistische geometrische Abstraktion, die die kroatische Kunst der späten 1950er- und der 1960er-Jahre sowie die utopischen Aspirationen der Avantgarden der Vorkriegszeit beherrschten, die das Streben nach formalem Purismus mit einem Veränderungen herbeiführenden sozialen Fortschritt gleichsetzten. Im Gegensatz hierzu beharrt Knifers Mäander ausdrücklich auf seinem monotonen und unoriginellen Charakter und verliert durch seine endlose Wiederholung immer mehr an Bedeutung. Knifers Hinwendung zum Mäander fiel zeitlich mit seiner Beteiligung an der protokonzeptuellen Künstlergruppe Gogona zusammen, die von 1959 bis 1966 in Zagreb aktiv war. Die auf Kooperation basierenden Aktivitäten der Gruppe wurden größtenteils im Geheimen ausgeführt. Dies war eine ganz bewusste Entscheidung, in der sich ihr nihilistischer Anti-Kunst-Standpunkt spiegelte. 

Meandar u kutu (1961) war ein Werk, mit dem Knifer seinen Durchbruch erzielte, indem er es dem Mäander erlaubte, die Grenzen der Leinwand zu überschreiten und sich des Umraums zu bemächtigen. Das mit dem weißen Hintergrund kontrastierende schwarze Mäandermuster setzt sich ohne Unterbrechung über die beiden Tafeln des Werks fort, die so installiert sind, dass sie in der Ecke der Galerie einen rechten Winkel bilden. Indem er in diesem Werk die Raumecke nutzte, betonte er, dass dies nicht nur die Darstellung eines Motivs ist, sondern seine ganz konkrete Manifestation, die keine zusätzliche Symbolik oder Bedeutung besitzt.

Rachel Wetzler

Biografie von Julije Knifer

  • Geboren 1924 in Esseg, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Osijek, Kroatien)
  • Gestorben 2004 in Paris, Frankreich

Julije Knifer begann schon vor Beginn seines Studiums an der Kunstakademie Zagreb (1951–1957) Selbstporträts zu zeichnen (Tusche und Mischtechnik), die er von 1949 bis 1952 zu einer Art Tagebuch zusammenstellte. Auf der Suche nach einem eigenen Stil experimentierte er mit der Abstraktion und gab die gegenständliche Malerei nach und nach auf. Während der letzten zwei Jahre seines Studiums definierte er die Grundlagen seines Lebenswerks, indem er die Formensprache seiner Gemälde auf schwarz-weiße Mäander reduzierte, die er auf jede erdenkliche Weise variierte. 

1959 trat er als Mitbegründer der Gruppe Gorgona in Erscheinung, und zwischen 1961 und 1973 nahm er an vier Ausstellungen der Künstlerbewegung Nove Tendencije (Neue Tendenzen) in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Zagreb teil. Der Mäander war das ideale Sujet für seine „Anti-Malerei“, und er experimentierte damit in den verschiedensten Stilrichtungen, u.a. im Stil der geometrischen Abstraktion, des Neokonstruktivismus und der Neoavantgarde. Dabei ging es stets auch um das Thema Zeit. 

Obwohl Knifer meist in Kroatien, Deutschland, Italien und Frankreich ausstellte, sind seine Werke in bedeutenden internationalen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum of Modern Art in New York und im Centre Georges Pompidou in Paris. 2001 vertrat Knifer Kroatien auf der Biennale von Venedig; 2014 widmete ihm das Museum of Contemporary Art in Zagreb eine große Retrospektive.