Pablo Picasso

Massacre en Corée (Massaker in Korea)

Picasso Massacre In Korea Musée Picasso 1500 - © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/RMN - Grand Palais/Jean-Gilles Berizzi
  • Pablo Picasso
  • Massacre en Corée (Massaker in Korea)
  • 1951
  • Öl auf Sperrholz
  • 110 x 210 cm
  • n°inv. MP 203 Dation 1979 Prêt du Musée national Picasso-Paris - © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © bpk/RMN - Grand Palais/Jean-Gilles Berizzi

Innerhalb von Pablos Picassos Trilogie von Antikriegsgemälden ist Massacre in Korea (1951), neben Guernica (1937) und Das Beinhaus (1944‒1945), das dritte und mehrdeutigste Bild. Obwohl sich der Titel des Werks auf den Koreakrieg bezieht, der im Jahr zuvor ausgebrochen war, deutet nichts in der darin enthaltenen Symbolik darauf hin, dass dieses spezifische „Massaker“ tatsächlich in Korea stattfindet. Die Rüstungen der Aggressoren etwa umfassen ein breites Zeitenspektrum, vom Mittel- bis zum Maschinenzeitalter, während die grünen Hügel und die vereinzelte Ruine im Hintergrund eher an eine europäische Landschaft denken lassen als an irgendetwas, das sich auf der koreanischen Halbinsel findet. Neben seiner rätselhaften Raum- und Zeitkonstellation ist Massacre in Korea auch das irritierendste Werk in Picassos Antikriegstrilogie. Das liegt nicht zuletzt daran, dass alle Opfer ‒ ausschließlich Frauen und Kinder ‒ nackt dargestellt sind. Diese Verweiblichung des Opferparts hat, neben der Unbestimmtheit der Landschaft, viele Interpreten dazu veranlasst, Massacre in Korea als Sinnbild aller Befreiungskämpfe zu lesen, die sich zur selben Zeit in den französischen Kolonien abspielten. Diese ehemals französischen Territorien wurden aus mehreren Gründen weiblich konnotiert: wegen ihrer fehlenden Industrialisierung, aufgrund der Größe, Hautfarbe und Kleidung ihrer Einwohner und infolge der geschlechtsspezifischen Begrifflichkeit der französischen Sprache selbst. Mithin ist Massacre in Korea Picassos Tribut an die antikolonialen Kämpfe in der ganzen Welt und betont den Umstand, dass die hochgerüstete französische Armee einen „Krieg ungleicher Gegner“ gegen schutzlose Einheimische führte.

Damian Lentini

Biografie von Pablo Picasso

  • Geboren 1881 in Málaga, Spanien
  • Gestorben 1973 in Mougins, Frankreich

Das Werk Pablo Picassos, der als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt, umfasst eine große stilistische Bandbreite, vom Neoklassizismus über den Surrealismus bis hin zur abstrakten Kunst. 

Gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Georges Braque (1882–1963) gilt Picasso als Begründer des Kubismus. Er erhielt den ersten Malunterricht von seinem Vater und setzte seine Ausbildung an der Escola de la Llotja in Barcelona sowie kurzzeitig an der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid fort. 

Nach seiner Rückkehr nach Barcelona im Jahr 1899 unternahm er zahlreiche Reisen nach Paris und ließ sich 1904 dort nieder. In Paris änderten sich sein Stil und die Auswahl seiner Motive: Auf die sogenannte Blaue Periode (1901–1904) folgte die Rosa Periode (1905), während derer vom Zirkus inspirierte Motive vorherrschen. 

1907 entstand das Gemälde Les Demoiselles d’Avignon, das vom Werk Paul Cézannes (1839–1906) sowie von afrikanischen Masken beeinflusst ist und auf die beiden folgenden Schaffensperioden vorausweist, den analytischen Kubismus (ca. 1908–1911) und den synthetischen Kubismus (ca. 1912–1914). Ab 1916 arbeitete Picasso auch für das Ballett und andere Theaterproduktionen. 1937 schuf er unter dem Eindruck des Spanischen Bürgerkriegs das gewaltige Gemälde Guernica

Im Lauf seines langen Schaffens bediente sich Picasso einer Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen, darunter Malerei, Zeichnung, Skulptur, Collage, Lithografie und Kupferstich.