Alén Diviš

Maska Ticha (Maske des Schweigens)

Diviš Maska Ticha National Gallery In Prague 1500 - © 2016 National Gallery in Prague
  • Alén Diviš
  • Maska Ticha (Maske des Schweigens)
  • 1947
  • Öl auf Leinwand
  • 53 x 40 cm
  • Národní galerie v Praze (National Gallery in Prague) - © 2016 National Gallery in Prague

In formaler wie in konzeptioneller Hinsicht wurde Alén Diviš’ künstlerischer Umgang mit der Figur stark von seinen früheren Hafterfahrungen im Zweiten Weltkrieg beeinflusst. Als junger Künstler war er Mitte der 1920er-Jahre von Prag nach Paris gezogen, wo er sich einem Kreis tschechischer, im Exil lebender Künstler und Intellektueller anschloss. Nach Kriegsausbruch wurde Diviš zu Unrecht der Spionage bezichtigt und verbrachte sechs Monate in dem berühmt-berüchtigten Gefängnis La Santé und anschließend weitere eineinhalb Jahre in Internierungslagern in Frankreich, Marokko und Mosambik. In seiner Zelle brachte er seine Tage und Nächte damit zu, die groben Wandkritzeleien anzustarren, die ehemalige Insassen dort hinterlassen hatten, mit den begrenzten, dort vorhandenen Mitteln ausgeführte Darstellungen ihrer persönlichen Ängste.

Maska Ticha spiegelt den bleibenden Eindruck wieder, den die Gefängnisgraffiti bei dem Künstler hinterließen, als habe man die Figur in den unebenen Grund geritzt und nicht auf eine plane Leinwand gemalt. Ihr eingefrorener Gesichtsausdruck ähnelt einer grotesken, in der schlichten Manier einer Kinderzeichnung ausgeführten Maske: die hervorquellenden Augen sind als konzentrische Kreise gegeben, die Nase als einfaches Dreieck, und die Mundwinkel weisen als Ausdruck übertriebener Missbilligung nach unten. Der eindringliche, visionäre Charakter und das existenzielle Thema dieses Gemäldes ‒ die stumme, solitäre und von der Welt isolierte Figur ‒ ist typisch für Diviš’ Bilder jener Zeit, in der er fast ausschließlich zurückgezogen arbeitete und sich nicht nur seinen traumatischen Erinnerungen an die Haft während des Krieges stellte, sondern auch dem Gefühl von Entfremdung und sozialer Ausgrenzung, das er nach seiner Befreiung empfand. 

Rachel Wetzler

Biografie von Alén Diviš

  • Geboren 1900 in Blato u Poděbrady (Podiebrad), Böhmen, Österreich-Ungarn
  • Gestorben 1956 in Prag, Tschechoslowakei

Alén Diviš, ein Maler düsterer, symbolischer Sujets, der als Außenseiter galt und jahrzehntlang praktisch vergessen war, erfährt seit seinem Tod beständige, kritische Aufmerksamkeit. Der gebürtige Böhme zog 1926 nach Paris, wo er mit dem Kubismus und Expressionismus experimentierte. 1939 gründete er zusammen mit anderen Exilanten das Haus der tschechoslowakischen Kultur, um gegen die deutsche Besetzung der Tschechoslowakei zu protestieren. 

Als Frankreich in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurden die Mitglieder der Gruppe wegen Spionage verhaftet. Diviš verbrachte sechs Monate in dem berüchtigten Gefängnis La Santé und danach einige Jahre in Konzentrations- und Internierungslagern. Die harte Behandlung, die er erdulden musste, und die Kritzeleien in seiner Einzelzelle im Santé beeinflussten sein Werk nachhaltig. 

Nach seiner Entlassung im Jahr 1942 zog er nach New York. In dieser Zeit schuf er Landschaftsbilder und andere Gemälde, die auf den Bildern und Graffiti an den Wänden seiner früheren Gefängniszelle basierten. Dieser Stil wurde später als Art brut bezeichnet. Diviš kehrte 1947 nach Prag zurück und hatte mit einem literarischen Text über seine Zeit im Santé kurzfristig Erfolg. Nachdem die Kommunisten 1948 die Macht übernommen hatten, waren seine Möglichkeiten eingeschränkt, und er wandte sich spirituellen Themen wie dem „Christus der Schwarzen“ zu. Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde sein Werk schließlich wiederentdeckt.