Uzo Egonu

Man Stealing a Shoe for His Wife (Ein Mann stiehlt einen Schuh für seine Frau)

Egonu Man Stealing A Shoe For His Wife Collection Hiltrud Egonu 1500 - © Egonu Estate c/o Grosvenor Gallery, London
  • Uzo Egonu
  • Man Stealing a Shoe for His Wife (Ein Mann stiehlt einen Schuh für seine Frau)
  • 1965
  • Collage, Zeitschriftenausschnitte, Gouache auf Papier
  • 51 × 61 cm
  • - © Egonu Estate c/o Grosvenor Gallery, London

Uzo Egonu, der mit dreizehn Jahren nach England zog, steht für eine Generation von Künstlern aus dem Globalen Süden, die ihren Stützpunkt in den kosmopolitischen Hauptstädten Europas hatten. Auch wenn er der dynamischen Londoner Kunstszene der 1960er-Jahre angehörte, war sich Egonu stets seines Status’ als ein „Anderer“, sprich als Afrikaner, Schwarzer, Außenseiter, bewusst. In England ausgebildet und bestens vertraut mit der Konsumkultur der konservativen britischen Gesellschaftsordnung, schuf Egonu Werke wie Man Stealing a Shoe for His Wife (1965) als Metapher für die Schwierigkeiten, mit denen Einwanderergruppen konfrontiert waren. Durch die Thematisierung sozialer Fragen mittels Abstraktion vermied Egonu ein starkes Narrativ. Hier griff er Einflüsse aus seiner eigenen multikulturellen Erziehung auf und schuf so eine anspruchsvolle Collage, die als Massenprodukte hergestellte Luxussymbole mit einzigartigen, von einer einzelnen Hand aufgetragenen Farbsetzungen vermengt. 

Diese Komposition kontrastiert die plastischen Linien silhouettenhafter Figuren und Ornamentmuster mit dem Hyperrealismus von Werbeanzeigen und Waren in deutschen Hochglanzmagazinen. Die durch Farbsetzungen ausgewiesene Hand des Künstlers mutet im Vergleich zu dem eleganten Schimmer der hoch aufgelösten, mechanisch gedruckten Bilder archaisch oder primitiv an. Zwei Welten prallen aufeinander, wenn die als Silhouette wiedergegebene Figur links mit dem todschicken Designer-Absatz Kontakt aufnimmt. Der Augenblick des Diebstahls markiert die Simultaneität von Grobem und Kultiviertem, Primitivem und Modernem. Der Betrachter schließt sich den anderen Figuren dieser Komposition an, da er als Zeuge der verbrecherischen Tat Neugier, Scham oder ungläubiges Staunen verspürt. Auch noch zu einer Zeit, in der viele Künstler der Nachkriegsjahre die gewachsene globale wechselseitige Verbundenheit erkannten, veranschaulichte Egonu die Beharrungskraft der von der Unterscheidung von „Wir“ und „Die“ geprägten Beziehungen zwischen den Volksgruppen in vielen westlichen Städten.

Joseph Underwood

Biografie von Uzo Egonu

  • Geboren 1931 in Onitsha, Nigeria
  • Gestorben 1996 in London, Vereinigtes Königreich

Bevor er im Alter von 13 Jahren nach England auswanderte, hatte Uzo Egonu bereits Malunterricht erhalten und bei einem Schulwettbewerb den ersten Preis gewonnen. Von 1949 bis 1952 studierte er an der Londoner Camberwell School of Arts and Crafts bei L. J. Daniels und Gilbert Spencer Malerei und Typografie und ging anschließend auf Reisen, um die europäischen Meister und die klassische afrikanische Kunst zu studieren. 1953 übersiedelte er nach Paris, von wo aus ihn gelegentliche Reisen nach Dänemark, Finnland und Italien führten.

Nach der Rückkehr nach England richtete sich Egonu in London ein Atelier ein und entwickelte in den 1960er-Jahren seine einzigartige Synthese aus moderner Kunst (insbesondere Kubismus und Pop-Art) und visuellen afrikanischen Sprachen (nigerianische Ornamente, Kreiskomposition und Vogelperspektiven), bei denen die Grenzen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion verschwimmen. Obwohl Egonu seine Heimat nur einmal kurz besuchte, spiegeln seine Kompositionen – seien es Gemälde, Collagen oder Drucke – seine Verbundenheit mit afrikanischen Themen, insbesondere dem Pogrom an den Igbo von 1966 und dem nigerianischen Bürgerkrieg, wider.

1964 widmete ihm die Londoner Woodstock Gallery eine Einzelausstellung, und seine Kunst erregte auch in Nigeria Aufmerksamkeit. Egonus Werk wurde in Europa und Afrika ausgestellt, und er gewann eine Reihe von Medaillen und Preisen. 1989 war er in der richtungsweisenden, von der Londoner Hayward Gallery veranstalteten Ausstellung The Other Story vertreten.