Ahmed Cherkaoui

Le Couronnement (Die Krönung)

Cherkaoui Le Couronnement Centre National Des Arts Plastiques 1500 - © Droits réservés/Cnap/Photographe: Yves Chenot
  • Ahmed Cherkaoui
  • Le Couronnement (Die Krönung)
  • 1964
  • Öl auf Leinwand
  • 91 x 119 cm
  • Centre national des arts plastiques (France) - © Droits réservés/Cnap/Photographe: Yves Chenot

Während Ahmed Cherkaoui, der damals schon zur Abstraktion neigte, in den späten 1950er-Jahren in Paris studierte, begann er sich für die piktografischen Gemälde europäischer Künstler wie Paul Klee (1879‒1940) und Roger Bissière (1886‒1964) zu begeistern. Fasziniert von dem verschiedenen kulturellen Quellen ‒ vor allem der nordafrikanischen Stammeskunst und der arabischen Kalligrafie ‒ entspringenden Ausdruckspotenzial abstrakter Zeichen und Chiffren, ließ sich der marokkanische Künstler darüber hinaus von den gestischen Markierungen des Informel inspirieren. Doch am stärksten und nachhaltigsten beeinflusste ihn die visuelle Kultur der Berber, die er von klein auf kannte und mit der er sich immer wieder auseinandersetzte.

Le Couronnement (1964) veranschaulicht, wie Cherkaoui sich miteinander verschränkter rhythmischer Muster elementarer Formen bedient, um mittels dieser zusammenhängende Zeichen zu bilden. Diese Elemente erinnern stark an die Linearität und Lebhaftigkeit der Tätowierungen, Stoffe und Alphabete der Berber. Punkt-Formationen und pulsierende Farbschwaden steigern den zauberartigen Charakter der Abstraktion. Charkaoui interessierte sich aber auch für die haptische Seite der bemalten Bildoberfläche, was in Le Couronnement durch einen groben, getüpfelten Farbauftrag zum Ausdruck kommt, der auch an seinen gelegentlichen Einsatz von Applikationen aus Jute oder Sackleinen erinnert. Cherkaouis Hingabe an den symbolischen Reichtum und die Geschmeidigkeit der berberischen Bildsprache ist sein autografisches Erkennungsmerkmal geworden. Tatsächlich zeichnet sich sein Werk durch die Fähigkeit des Künstlers aus, lokale marokkanische Formen und umfassendere Trends der expressiven Abstraktion miteinander zu verbinden.

Tiffany Floyd

Biografie von Ahmed Cherkaoui

  • Geboren 1934 in Boujad Marokko
  • Gestorben 1967 in Casablanca, Marokko

Ahmed Cherkaoui nahm Unterricht bei einem Kalligrafen in Casablanca, ehe er 1956, kurz nach der Unabhängigkeit Marokkos, nach Paris zog. Dort studierte er bis 1959 an der École des Métiers d’Art und anschließend an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts. 1961 ging er für ein Jahr an die Warschauer Kunstakademie, wo er mit Sackleinen (Collagen) und Multimediatechniken zu experimentieren begann.

Er kehrte nach Marokko und noch im selben Jahr nach Frankreich zurück und interessierte sich zunehmend für die marokkanische Volkskunst (islamische Kalligrafie, Symbolik, Keramik, Tätowier- und Goldschmiedekunst der Berber). Zugleich unterlag seine Arbeit immer stärkeren Einflüssen aus Europa (Roger Bissière [1886–1964], Paul Klee [1879–1940], Surrealismus).

Anfang der 1960er-Jahre gab Cherkaoui die figurative Malerei auf und entwickelte seinen charakteristischen Stil, indem er große Leinwände, deren Oberfläche er stark texturierte, mit abstrakten, aber symbolträchtigen Formen in leuchtenden Farben bemalte. Er pendelte oft zwischen Europa und Nordafrika hin und her und nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, 1962 z.B. am Salon de Mai und 1963 an der Schau 20 Peintres étrangers im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Nach seinem Tod im Jahr 1967 wurde auf der Pariser Biennale und im Salon d’art sacré im Musée d’Art Moderne eine Hommage à Cherkaoui gezeigt.