Eduardo Paolozzi

It’s a Psychological Fact Pleasure Helps Your Disposition (Es ist eine psychologische Tatsache, dass Lust Ihre Stimmung positiv beeinflusst)

Paolozzi  Its A Psychological Fact Pleasure Helps Your Disposition Tate 1500 - © Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Tate, London 2016
  • Eduardo Paolozzi
  • It’s a Psychological Fact Pleasure Helps Your Disposition (Es ist eine psychologische Tatsache, dass Lust Ihre Stimmung positiv beeinflusst)
  • 1948
  • Bedrucktes Papier auf Karton
  • 36.2 × 24.4 cm
  • TATE: Presented by the Artist 1971 - © Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by VG Bild-Kunst, Bonn 2016 © Tate, London 2016

Auch wenn sie sich in formaler Hinsicht deutlich voneinander unterscheiden, thematisieren diese beiden Skulpturen und fünf Collagen von Eduardo Paolozzi allesamt die Beziehung zwischen Menschen und Maschinen. Stark beeinflusst von den surrealistischen Collagen Max Ernsts (1891–1976) und den dadaistischen Konstruktionen John Heartfields (1891–1968) begann Paolozzi in den späten 1940er-Jahren Motive aus amerikanischen Zeitschriften zusammenzutragen, die er in Läden im Londoner East End, wo er wohnte, erworben hatte. Während Europa noch bemüht war, sich von den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs zu erholen, erlebten die Vereinigten Staaten bereits einen Wirtschaftsaufschwung, dessen Ergebnissen auf den Hochglanzseiten der Zeitschriften gehuldigt wurde. Die Konsumenten machten sich neue Technologien zu eigen und ignorierten dabei geflissentlich, dass diese, wie etwa der in Windtunnel Test (1950) zum Einsatz kommende Windkanal, aus den technologischen Forschungen der Kriegszeit hervorgegangen waren. Paolozzi erkundete den widersprüchlichen Charakter der Technologie, indem er Bilder, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, nebeneinanderstellte und auf diese Weise Maschinen als gewaltsame Fehlentwicklungen und zugleich als schnittige Innovationen präsentierte, die sich auf elegante Weise in den häuslichen Alltag einfügen. Er zeigte diese Bilder 1952 im Institute of Contemporary Arts in London beim Auftakttreffen der Independent Group, der ersten Künstler, die der Pop-Art zugerechnet werden. 

Mitte der 1950er-Jahre kehrte Paolozzi von der Pop- Art zu seiner früheren Praxis der Bronzebildhauerei zurück und bediente sich dabei des Wachsausschmelzverfahrens. Sowohl bei Robot (ca. 1956) als auch bei Standing Figure (1957) handelt es sich um Abgüsse gefundener Gegenstände wie Getriebe, Schrauben, Spielzeuge und Uhrenteile, die anthropomorphe Gebilde ergeben, welche den Unterschied zwischen Körper und Maschine verwischen. Die rauen Oberflächen und asymmetrischen Formen der Figuren sind sowohl faszinierend als auch irritierend, denn sie legen den Aufstieg der Maschinen und das sich hieraus ergebende Ende einer (wieder)erkennbaren Menschlichkeit nahe.

Megan Hines

Biografie von Eduardo Paolozzi

  • Geboren 1924 in Leith, Edinburgh, Schottland
  • Gestorben 2005 in London, Vereinigtes Königreich

Eduardo Paolozzi schuf Skulpturen, Collagen, Druckgrafiken und Filme und war ein Vertreter der britischen Pop-Art. In seinen frühen Collagen aus den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren verwendete er Werbeanzeigen aus amerikanischen Zeitschriften, Titelseiten von Taschenbüchern und wissenschaftliche Abbildungen. 

Als Sohn italienischer Immigranten wurde Paolozzi für drei Monate interniert, nachdem Italien im Juni 1940 Großbritannien den Krieg erklärt hatte. Auch sein Vater und sein Großvater wurden verhaftet; sie ertranken, als das Schiff, das sie nach Kanada bringen sollte, von einem deutschen U-Boot angegriffen wurde. 

Paolozzi studierte am Edinburgh College of Art (1943) und an der Slade School of Fine Arts in London (1944–1947), wo er andere künftige Mitglieder der Künstlervereinigung Independent Group kennenlernte. Danach arbeitete er zwei Jahre in Paris, wo er den Bildhauern Alberto Giacometti (1901–1966) und Constantin Brâncuşi (1876–1957) begegnete, die sein späteres Werk beeinflussten. 

Seine Beziehungen zu Künstlern des Surrealismus und seine von der Alltagswelt geprägte Ästhetik verband er mit einem Interesse für moderne Technologien und Massenmedien. So erweiterte er seine bildhauerischen Techniken in den frühen 1960er-Jahren durch die Zusammenarbeit mit Industriefirmen und verwendete Aluminium. Paolozzi lehrte von 1949 bis zu seiner Pensionierung 1994 an mehreren Akademien für Kunst und Design in Großbritannien und Deutschland, zuletzt an der Akademie der Bildenden Künste in München.