Asger Jorn

Il Delinquente (Der Delinquent)

Jorn Il Deliquente Galerie Van Der Loo 1500 - © Donation Jorn, Silkeborg/VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Asger Jorn
  • Il Delinquente (Der Delinquent)
  • 1956
  • Öl auf Leinwand
  • 114 cm x 146 cm
  • Galerie van de Loo - © Donation Jorn, Silkeborg/VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Asger Jorn war neben Guy Debord (1931–1994) und Michèle Bernstein (geb. 1932) Mitbegründer der revolutionären, avantgardistischen Situationistischen Internationale. Als er Il Delinquente (1956) malte, experimentierte er gerade mit Oberflächentexturen, um die Reinheit der Malerei zu destabilisieren und die oft transzendente Gestik der abstrakten Nachkriegsmalerei zu untergraben. Durch den Einsatz keramischer Glasuren und die Bearbeitung der bemalten Oberflächen mit einer Wisch- und Kratztechnik erreichte er eine Betonung des Grotesken und Unsicheren im Gegensatz zu den eher kalligrafischen und expressiven Tendenzen seiner Kollegen. Die Figur in Il Delinquente erscheint (beziehungsweise existiert) auf einer Fläche aus verschmierten Farben, die an Blut, Schlamm oder Exkremente erinnern. Künstlerische Verarbeitung und Werktitel assoziieren Erbärmlichkeit und Verkümmerung. Die Tropf- und Kratztechnik, mit der die Figur erzeugt wurde, erinnert an Jackson Pollock (1912–1956) oder Jean Dubuffet (1901–1985), jedoch ohne den grafischen Rhythmus des einen oder die klar definierten Formen des anderen. Jorns ironischer Charakter offenbart sich im Werktitel, dessen trockener Humor die prätentiöse, übertriebene Rhetorik des Abstrakten Expressionismus und des Informel entlarvt.

Damian Lentini

Biografie von Asger Jorn

  • Geboren 1914 in Vejrum, Dänemark
  • Gestorben 1973 in Århus, Dänemark

Asger Jorn zählt mit Guy Debord (1931– 1994) und Michèle Bernstein (geb. 1932) zu den Begründern der revolutionären Avantgardebewegung Situationistische Internationale. Jorn hatte am Vinthers Seminarium in Silkeborg ein Lehrerstudium begonnen, bevor er 1936 nach Paris ging, um an der Académie Contemporaine Malerei zu studieren – anfänglich bei Wassily Kandinsky (1866–1944), dann bei Fernand Léger (1881–1955). 1937 kehrte er nach Dänemark zurück und nahm ein Studium an der Kongelige Danske Kunstakademi in Kopenhagen auf. Bei der Besetzung Dänemarks durch die Deutschen 1942 schloss er sich dem kommunistischen Widerstand in seiner Stadt an. Die Nachkriegszeit stellt Jorns produktivste Phase dar. Er war Mitbegründer der avantgardistischen Künstlergruppe CoBrA 1948 in Paris und eine Schlüsselfigur der „Bewegung für ein Imaginäres Bauhaus“ (Movimento internazionale per una Bauhaus immaginista), die aus CoBrA hervorging. Zusammen mit dem französischen Lettristen Guy Debord bereitete er die Gründung der Situationistischen Internationalen im Jahr 1957 vor. Jorns Werk wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren auf zahlreichen Ausstellungen präsentiert, darunter in der Kunsthalle Basel, im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Louisiana Museum in Dänemark. Berühmt ist seine Ablehnung des Guggenheim Prize im Jahr 1964: Die Ankündigung der Auszeichnung kommentierte er mit einem bissigen Telegramm, in dem er das Museum beschuldigte, lediglich für sich selbst werben zu wollen, indem es einen Künstler „gegen dessen Willen“ vereinnahmte.