Carmen Herrera

Iberia No. 25

Herrera Iberia No 25 Private Collection Courtesy Lisson Gallery 1 1500 - © Carmen Herrera
  • Carmen Herrera
  • Iberia No. 25
  • 1948
  • Acryl auf Rupfen
  • 46 x 54,5 cm
  • Courtesy Lisson Gallery - © Carmen Herrera

Carmen Herrera, eine gebürtige Kubanerin, verbrachte die 1940er-Jahre zwischen Havanna, New York und Paris und stellte gemeinsam mit verschiedenen Gruppen aus, darunter die brasilianischen konkreten Künstler und die in Buenos Aires beheimatete Gruppe Arte Madí. Iberia No. 25 (1948) steht beispielhaft für Herreras frühe Untersuchungen der geometrischen Abstraktion, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris lebte. Ihre Ausbildung zur Architektin in Kuba kommt in ihrer Beherrschung räumlicher Beziehungen zum Ausdruck. Die eckigen Formen führen das Auge auf eine spielerische Weise über die Leinwand, die Herreras sparsamen Einsatz künstlerischer Mittel Lügen straft. Mittels einer begrenzten Farbpalette (in diesem Fall Rot, Orange und Schwarz) schuf sie Hard-Edge-Kompositionen, die die zahllosen möglichen Kombinationen geometrischer Formen und damit ein zentrales Konzept der konkreten Kunst erkundeten. Als Paris nach den Verheerungen des Krieges allmählich wieder zu Kräften kam, war diese Konzentration auf künstlerische Möglichkeiten ein optimistisches Statement in einer ansonsten trüben Szene.

Iberia bezieht sich auf die Iberische Halbinsel, die Spanien und Portugal miteinander teilen. Wenngleich schmucklos und minimalistisch, erzeugt das Zusammenspiel von Farbe und Form in diesem Gemälde eine ganz eigene Energie. Ohne gegenständlich zu sein, hält dieses Werk den Rhythmus und das Wesen der Halbinsel im westlichen Mittelmeer fest. In seiner Einfachheit nimmt Iberia Herreras spätere Gemälde vorweg, die sich auf eine minimalistische Ästhetik stützen und damit beeindruckende rhythmische Konfigurationen erzeugen.

Megan Hines

Biografie von Carmen Herrera

  • Geboren 1915 in Havanna, Kuba

Die in Kuba geborene Malerin Carmen Herrera erhielt als Kind privaten Zeichenunterricht und setzte ihre Ausbildung in den 1930er-Jahren in Paris fort. Nach ihrer Rückkehr nach Havanna um 1935 studierte sie für rund zwei Jahre Architektur an der Universidad de La Habana. 1939 heiratete sie den Englischlehrer Jesse Loewenthal und zog mit diesem nach New York. Während des Studiums an der Art Students League lernte sie unter anderem die Künstler Wifredo Lam (1902–1982) und Barnett Newman (1905–1970) kennen. In den späten 1940er-Jahren zog Herrera wieder nach Paris. Dort war sie vier Mal am jährlich stattfindenden Salon des Réalités Nouvelles im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris beteiligt. In diesen Jahren des regen Gedankenaustausches mit zahlreichen Künstlern begann sie ihre Kompositionen zu vereinfachen. Anfänglich malte sie Bilder kontrastierender optischer Gebilde in einer Anordnung aus kleinen, geometrischen Formen in drei oder mehr kräftigen Farben. Später erforschte sie die unendlichen Möglichkeiten einer formalen Vereinfachung. Darüber hinaus experimentierte Herrera mit Symmetrie und Asymmetrie in hart abgesetzten Farbfeldern, Shaped Canvases und monochrom bemalten Installationen. 1954 kehrte sie endgültig nach New York zurück und setzte dort ihre Malerei fort. 2016 widmete das Whitney Museum of American Art in New York ihr eine große Perspektive.