Ed Ruscha

Hurting the Word Radio #1 (Dem Wort Radio wehtun Nr. 1)

Ruscha Hurting The Word Radio I The Menil Collection 1500 - © Ed Ruscha. Photo: Paul Hester
  • Ed Ruscha
  • Hurting the Word Radio #1 (Dem Wort Radio wehtun Nr. 1)
  • 1964
  • Öl auf Leinwand
  • 150.2 ×140 cm
  • The Menil Collection, Houston - © Ed Ruscha. Photo: Paul Hester

Mitte der 1960er-Jahre arbeitete Ed Ruscha häufig mit typografisch gestalteten Sprachfragmenten und einfarbigen Hintergründen. Diese Werke erinnern an jene aufdringlichen Autobahn-Werbetafeln, die man in der Umgebung von Los Angeles antrifft. Obwohl Ruscha eine Ausbildung als Grafikdesigner absolvierte, dient die Typografie in seinen Werken nicht zur Kommunikation oder Verdeutlichung, sondern auch um Wörter aus ihrer tradierten Bedeutung zu lösen. 

In Hurting the Word Radio #1 (1964) wird ein Wort, das ein Objekt bezeichnet, selbst zu einem Objekt, dem man „wehtun“ kann: Eine gemalte Schraubzwinge klammert die Buchstaben D und I zusammen. Ruscha sagte hierzu: „Wörter, ihre Definitionen sind oft unwichtig. Sie werden beinahe zu abstrakten Objekten.“ In demselben Jahr, in dem Hurting the Word Radio #1 entstand, verklammerte Ruscha weitere Buchstaben in den Wörtern „boss“ und „dimple“ (Grübchen), und auch hier fehlt jeglicher semantische Bezug zwischen dem jeweiligen Begriff und dessen Entstellung im Bild. 

Auch wenn in diesen Werken der typografische Text im Vordergrund steht, sind sie gleichwohl Gemälde. Indem der Künstler sie in der Schwebe hält zwischen unverfrorenem Werbedesign und anspielungsreicher, illusionistischer Maltradition, verwischt er die definitorischen Grenzen zwischen beiden. Nicht zufällig verwendet er dabei Ölfarbe, jenes sinnliche Medium, das in den westlichen Kulturen seit jeher wegen seiner Eigenschaft geschätzt wird, Figuren besonders plastisch herauszuarbeiten. Ruscha nutzt diese Besonderheit, um einerseits das flache, typografische Gebaren des Wortes und andererseits dessen körperliche Elastizität zu illustrieren. So treibt dieses Bild ein sprachliches und visuelles Doppelspiel mit den Erwartungen des Betrachters, lotet die Unterschiede zwischen Text und Bildraum aus und torpediert jegliche Möglichkeit einer einfachen Lesart.

Amy Rahn

Biografie von Ed Ruscha

  • Geboren 1937 in Omaha, Nebraska, Vereinigte Staaten

Ed Ruscha begann sein Kunststudium am Chouinard Art Institute (heute California Institute of tthe Arts), nachdem er 1956 nach Los Angeles gezogen war. In seinem letzten Studienjahr war er Mitherausgeber und Koproduzent der Institutszeitschrift Orb; nach seinem Abschluss 1960 arbeitete er als Layouter für eine Werbeagentur in Los Angeles. 

Mit seinen Gemälden und Collagen, die der Pop-Art zugeordnet und mit den Werken Jasper Johns’ (* 1930) und Robert Rauschenbergs (1925-2008) verglichen wurden, hatte er schon früh Erfolg. Während einer Europareise im Sommer 1961 schuf Ruscha seine ersten Word Paintings

Seither sind Text und Typografie ein integraler Bestandteil seines Werks, das Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik, Fotografien, Bücher und Filme umfasst. Seine Textbilder sind oft doppeldeutig und enthalten komische oder satirische Anspielungen auf die populäre Kultur und das Leben in Los Angeles. 

Zwischen 1963 und 1978 verfasste Ruscha 16 kleine, leporelloartig gefaltete Künstlerbücher mit Fotografien aus Südkalifornien. Ende der 1960er- und 1970er-Jahre verwendete er unkonventionelle Materialien wie Schwarzpulver, Lebensmittel und Blut zum Zeichnen, Malen und Drucken. 1982 wurde die erste Retrospektive zu seinem Œuvre gezeigt, und es folgten viele weitere.