Joseph Beuys

Hirschdenkmäler

Beuys Hirschdenkmäler Galerie Thaddeus Ropac 1 1500 - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
  • Joseph Beuys
  • Hirschdenkmäler
  • 1958/1982
  • Mischtechnik
  • Maße variabel
  • Galerie Thaddaeus Ropac, Paris – Salzburg - © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Joseph Beuys’ Hirschdenkmäler (1958/1982) stellen den Höhepunkt der Versuche dieses Künstlers dar, den mythischen Symbolismus der germanischen Tradition einer neuen Verwendung zuzuführen, um es so einer traumatisierten Nation zu ermöglichen, sich von dem rationalisierten Albtraum zu erholen, den ihr die Nationalsozialisten beschert hatten. In dieser Hinsicht war die Figur des Hirschen von besonderer Bedeutung für den Künstler. Für Beuys ist es ein Tier, „das in Zeiten der Not erscheint“ und infolge seines Geweihs, das immer wieder abgeworfen wird und immer wieder nachwächst, ein eindrucksvolles Sinnbild von Wiedergeburt und Erneuerung ist.

Das Werk selbst umfasst eine Vielzahl quasi-mystischer, alchemistischer Elemente, die so angeordnet sind, dass sie an eine Lichtung erinnern. Der Hirsch wird durch das flaschenförmige Brett (tatsächlich handelt es sich um das Bügelbrett seiner Mutter) repräsentiert, das auf vier massiven Holz-»Beinen« ruht. Daneben steht die Ziege (der dreirädrige Karren/Streitwagen), der Tisch mit Akkumulator (der seine Energie über zwei Kupferdrähte direkt aus der Erde bezieht) und Boothia Felix (eine indirekte Darstellung des Betrachter-Künstlers als gegossener Block aus Erde und Metall auf einer Modelliervorrichtung). Umgeben sind diese Strukturen von diversen Urtieren, an Exkremente erinnernde Formen, den in Bronze gegossenen Tonabdrücken der Werkzeuge des Künstlers. Das Werk umfasst also die gesamte Bandbreite von Beuys’ Obsessionen, nicht zuletzt die Art und Weise, wie Ur- und Elementarkräfte (Schmutz, Tiere, Exkremente und Tod) dazu genutzt werden können, den Planeten nach den Schrecken der vorausgegangenen Jahrzehnte zu neuem Leben zu erwecken.

Damian Lentini

Biografie von Joseph Beuys

  • Geboren 1921 in Krefeld, Deutschland (damals Deutsches Reich)
  • Gestorben 1986 in Düsseldorf, Deutschland

Joseph Beuys gehört zu den einflussreichsten und umstrittensten Künstlern Nachkriegsdeutschlands. Von 1946 bis 1954 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei. 1953 hatte er seine ersten Einzelausstellungen in Kranenburg und im Von der Heydt-Museum in Wuppertal, 1958 setzte er zum ersten Mal Fett und Filz ein – Materialien, um die er eine biografische Legende strickte: Nach einem Flugzeugabsturz im Zweiten Weltkrieg – Beuys hatte sich freiwillig zur Luftwaffe gemeldet – sei er von Tataren gerettet worden, die ihn zum Schutz vor der Kälte mit Fett gesalbt und mit Filz gewärmt hätten. In seinen Installationen und Aktionen (z.B. Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, 1965) verwendete er oft sinnträchtige Objekte und Materialien, die mit seiner Rettung und seinem Selbstverständnis als Schamane in Zusammenhang standen. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf (1961–1972) setzte er sich dafür ein, dass jeder, der es wollte, freien Zugang zum Kunststudium erhielt. Beuys entwickelte einen „erweiterten Kunstbegriff“ („Jeder Mensch ist ein Künstler“), der auch sozialpolitisch Früchte tragen sollte. Zwischen 1964 und 1989 nahm er an jeder documenta teil. 1971 zeigte er im Moderna Museet in Stockholm Zeichnungen und Objekte. Die erste Retrospektive seines Werks war 1979 im Guggenheim Museum in New York zu sehen.